Was Leute so denken

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Rita, 74, Rentnerin, früher Fachverkäuferin, selbstständig, eigenes Handwerksgeschäft

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Ausbildung, Ehe, kleines Geschäft, Glück in der Partnerschaft, 49 Jahre verheiratet

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Alles wird schlechter. Die Obdachlosen, die Ungerechtigkeit der Politik.

Was ist das Fundament des Daseins?

Die ganze Plastik, die da in den Meeren rumschwimmt. Die Müllberge werden immer größer. Die sollen doch mal junge Politiker ranlassen, nicht solche alten.

Robert, 31, Student Fahrzeugtechnik

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Glück, Zufriedenheit

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Fortpflanzung und Entwicklung

Was ist das Fundament des Daseins?

Selbsterkenntnis? Ich weiß nicht

Bea, 48, Künstlerin, Malerin

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Liebe

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Liebe

Was ist das Fundament des Daseins?

Liebe

Barbara, 59, Hausfrau, früher Oecothoophologin (Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin)

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Die Familie natürlich, starke Lehrerpersönlichkeiten in der Kindheit, die Werte vermittelten

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Gemeinschaftssinn und Rücksichtnahme, Einfühlungsvermögen

Was ist das Fundament des Daseins?

Eine Ordnung, wo immer sie herkommt, die wir Menschen ständig durcheinander bringen

Matthias, 25, Trainer koreanischer Kampfsportarten

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Evolution

Was ist das Fundament des Daseins?

Wissen, Ausdehnung, Bewegung, Dynamik

Katja, 27, Kauffrau für Bürokommunikation, z.Z. Babyjahr

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Liebe und Glück

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Entwicklung

Was ist das Fundament des Daseins?

Spontan weiß ich das nicht

Klaus, Rentner, 71, ehemals Leiter in einem großen Optikunternehmen

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Charakter, Erziehung, Selbsterziehung, Umwelt prägt den Menschen

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Gott hat die Erde erschaffen. Der Mensch könnte ein herrliches Leben darauf leben, wenn er sie pflegen würde.

Was ist das Fundament des Daseins?

Alles ist Gottes Schöpfung. Das alles hat sich doch nicht aus sich selbst erschaffen.

Christin, 28, Schauspielerin, Fotografin

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Meine Heimaterde bei mir zu Hause

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Wasser

Was ist das Fundament des Daseins?

Alles und Nichts

Jörg, 63, Bauingenieur

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Familie

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Frieden

Was ist das Fundament des Daseins?

Da fällt mir im Moment nichts zu ein

Julia, 47, Evolutionsbiologin, Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Entfaltung in der Kindheit, soziale Bindungen

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Fähigkeit zur Reproduktion, um Variation hervorzubringen

Was ist das Fundament des Daseins?

Energie

Sascha, 27, Krankenpfleger

Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Mein Stiefvater,  meine Freundin und mein bester Freund

Was ist das Fundament des Lebens auf der Erde?

Die Elemente, Energie

Was ist das Fundament des Daseins?

Das Gedächtnis

Der bewegte und bewegende Gedanke

Die Antworten, so unterschiedlich wie sie von Mensch zu Mensch sind, machen eines deutlich: jeder Mensch hat eine innere Vorstellung, eine Art von Begriff von einem hierarchischen Aufbau des Daseins. Dabei ist das persönliche Leben, der direkte Erlebenskreis stärker bewusst als der weitere Kreis „gesamtes Leben“ oder gar „gesamtes Dasein“.  

Der Mensch ist wie das gesamte Universum strebend, sich ständig erweiternd und ausdehnend, sowohl im materiellen als auch geistigen Bereich. Bei vielen Menschen ist der Denkraum auf seinen unmittelbaren Alltag begrenzt. So, wie die Muskulatur des normalen Menschen relativ wenig ausgebildet ist, so sind seine „Denkmuskeln“ ebenfalls wenig ausgebildet. Ein sportlich trainierter Körper hat starke Muskeln und kann im Idealfall große Leistung vollbringen. Ein trainierter Kopf kann tiefe, weite und viele Gedanken fassen und formulieren, daraus Theorien, Pläne und Strategien bilden, die ein gedanklich wenig trainierter Mensch eben nicht kann. Doch auch ein in Begriffsbildung wenig trainiertes Gehirn kann in großen Bildern denken. Das All-Wissen als ganzheitliches Bild steckt in jedem tief drin. Es jedoch begrifflich und begreifbar hervorholen, kann meist nur der Geübte.

Was passiert, wenn der Mensch denkt? Er verbindet Synapsen seiner Gehirnzellen, Neuronen genannt. Die Kräfte der Gehirnzellen sind Zusammenziehen und Ausdehnen sowohl im direkten, erkennbaren als auch übertragenen, nicht erkennbaren Sinne. Das Zusammenziehen bewirkt eine Frage, einen konkreten Leerraum. Dehnt sich das System aus, „erscheint“ die Antwort. Ist dieses Frage-Antwort-Spiel ungeübt, blitzen nur dieselben oberflächlichen Bilder und Gedanken auf. Der Mensch dreht sich in Gedanken und im Alltag sozusagen im selben Kreis. Er spürt in seiner Tiefe, dass es eine Antwort geben muss, aber er kann sie nicht begreifen. Manchmal kommt ein Lichtblitz aus der Bildertiefe ins Bewusstsein – das nennen wir Intuition. Künstler werden von solchen Lichtblitzen der inneren Bilder zu ihren Werken inspiriert, zum selbstständigen schöpferischen Wirken angeregt. 

Übt der Denker das Denken, stärkt er die Kräfte des Zusammenziehens und Ausdehnens, vergrößert er die Erkenntniskreise und Bilder, Ideen und Vorstellungen. Um das ALLES und NICHTS in seiner Basis zu erkennen, muss man sehr oft die Frage üben: Warum? Und wenn die Antwort lautet: Darum!, dann kommt man der paradoxen Sinnlosigkeit des Lebenssinnes näher und näher. Denn in der sehr allgemeinen Frage „Warum ist alles so?“ stecken alle hierarchisch differenzierten Fragen drin. So, wie in der allgemeinen Antwort „Darum ist alles so!“, alle weiteren Antworten drin stecken. So ist die schon beschriebene Fragemethode des Sokrates zu verstehen, der seine Gesprächspartner immer ins Nichts führte und damit erschreckte und verärgerte.

Nachdem ich über eine lange Zeit immer wieder die Frage nach dem Warum stellte und mit den Antworten nicht zufrieden war, kam ich schließlich am Fundament des Bildes an, das auch mich gewaltig erschütterte und erschreckte. Ich hatte eine Vorstellung von dem, was ALLES ist. Ein Bild in mir, das aus einer großen weit fassenden Frage heraus kam. Warum muss ich leiden? Und damals litt ich so entsetzlich, dass ich davon ausgehen kann, dass die Zugkraft, die so eine Frage bewirkt, in meinem Kopf und Körper enorm groß war. Ich bekam die Antwort DARUM. Zunächst war ich darüber empört, doch dann „wusste“ ich auch Alles, ohne dafür die einzelnen Wörter zu kennen. Die Antwort „Darum!“ erscheint uns zunächst sinnlos oder von einem uns nicht zu verstehendem Sinn, weil uns die Begriffe fehlen, um den Sinn zu begreifen.

Wie jeder Forscher auf der Suche nach der Form, das innere Bild in seiner Fachsprache klar in differenzierte Begriffe zu formen, war ich auf der fragenden Suche nach den Begriffen für mein ALLES-NICHTS-Bild. Ich suchte die Struktur, die zum Fundament als Bewusstsein hinführt. Die erklärt, dass es allein unsere Sprache, der strukturelle Aufbau der Sprache und des Denkens ist, der dem Dasein einen scheinbaren Sinn verleiht. Dabei erkannte ich bald den spiegelnden Charakter, dass ich keine andere Struktur aufbauen kann als ich KANN – als mein inneres Vermögen es zulässt. Es dauerte seine Zeit des Denkens, des Suchens und Findens, bis ich den eindeutigen fraktal-hierarchischen Aufbau in einzelnen Begriffen verstand.

Als ich die Idee hatte, dieses Buch zu schreiben, fehlte es mir nicht an Worten. Doch ein Buch besteht nicht allein aus Worten. Jedes Werk eines jeden Künstlers oder Schaffenden, auch Wissenschaftlers, besteht zunächst aus der Idee. Als nächstes wächst die strukturierte Vorstellung, was man konkret erschaffen will. Dann benötigt man ein Medium, um sein Werk konkret und real zu formen. Zum Beispiel in die Form von Tönen und Musik, von Farbe und Malerei, oder in die Form von Worten, was sich in einem Theaterstück, einem Roman, einem philosophischen oder naturwissenschaftlichen Werk mit Worten und Sätzen in Begriffsbildern darstellt.

Eine Idee ist auch die Basis für eine technische Konstruktion oder eine Strategie. Nach der Idee als Basis jeder Schöpfung kommt der knöcherne Korpus, die innere Struktur. Die Erschaffungsgeschichte der Bibel – die Genesis im Alten Testament – zeigt, wie ein großartiger Künstler dabei vorgeht. Zunächst trennt ER das Dunkel vom Hellen. Der Grund, aus dem ER Dunkel und Hell erschafft, ist nicht da, NICHT erkennbar da, aber potenziell als Idee vorhanden. Doch erst in der Gegensätzlichkeit von Licht und Dunkelheit erscheint das DA-SEIN des Werkes, die Schöpfung. Wenn nun Alles da sein soll, ist es vorher zunächst NICHT da. Und auch der Schöpfer nicht. Dieser ER-Schaffer ist ein menschliches Gedankengerüst, weil Unvorstellbarkeit nun einmal nicht vorstellbar ist. Doch erinnern wir uns, es hieß: Gott war das Wort. Es ist allein ein erschaffendes Prinzip, in dem allerdings nicht nur physikalisch-mechanische Kräfte potenziell vorhanden sind, sondern auch geistig-seelische.

Der nächste Erschaffens-Schritt ist die feste Struktur. In der biblischen Genesis ist es die Erschaffung von Himmel und Erde. Für uns Menschen als Schöpfer ist das die Wahl des Mediums, mittels dessen wir unsere Idee ausdrücken wollen. Das kann das Klavier sein, für das wir eine Klaviersonate in der Sprache der Noten schreiben. Das kann eine Leinwand sein, auf dem wir mit Farbe ein Gemälde malen. Das kann Papier sein, auf dem wir mit Buchstaben einen Roman schreiben. Das kann der Garten sein, dem wir mit Pflanzen unseren Schöpfer-Stempel aufdrücken. 

Der nächste Genesis-Schritt nach der Wahl des Mediums ist die Festlegung der Grobstruktur. Es entstehen Festland und Wasser, Berge und Täler, auf denen die feineren Strukturen, die lebendigen Bestandteile, wie Pflanzen und Tiere, aufbauen. Zuletzt kommt der Mensch, das selbstbewusste erkennende Wesen. Das unteilbare Individuum als Ebenbild Gottes. Darin scheinen sich Bibel und Naturwissenschaft einig, dass der Mensch irgendwie erst zuletzt kommt. Als wäre er hier nur ein mit Gotteshauch beseelter Klumpen Lehm oder dort ein Nebenprodukt der natürlichen seelenlosen Entwicklung.  

Gott schuf seine Welt in sechs Tagen. Viel, viel länger saß ich fest bei der Findung der RICHTIGEN Struktur für mein Werk, diesem knöchernen Korpus, an dem sich das Fleisch der vielen Worte anpappt.

Ich wollte eine allgemeine Idee in spezielle Worte fassen. Mein Buch sollte in seinem Gesamtwerk eine runde, vollkommene Sache sein. Ich wollte meine Idee zum Ausdruck bringen, darüber mit meiner Umwelt kommunizieren, von ihr erkannt und anerkannt werden. Schließlich will auch Gott gelobt werden: „Lobet den Herrn“. Das Differenzierungswerk nahm schließlich seinen Lauf.

Wie fange ich nun an, die innere Struktur, den roten Faden, den knöchernen Korpus zu gestalten? Wie Gott es macht, wusste ich nun schon. Wie machte es das Leben? Aus einer Zelle, die aus zwei polaren Teilen besteht – männlicher Samen, weibliches Ei – strukturiert sich der Körper des Lebewesens. Zunächst teilt sich die Zelle in zwei Zellen. Und teilt sich so weiter und weiter. Die Ur-Zelle, aus der sich das gesamte Wesen teilen kann, ist die Stammzelle. Das ist biologisches Vokabular.

Philosophisches Vokabular wäre, wenn ich sage, aus dem Bewusstsein teilt sich zunächst der Erkenner und das Erkannte. Die Physiker sagen zur „Urzelle“ Urknall und fanden in dem von ihnen untersuchten Areal zwei Kräfte, die sich ganz offenbar irgendwie bedingen. Das sind einfach formuliert die anziehende Kraft (Gravitation) und die abstoßende Kraft (Strahlung). In der Religion sind die Ur-Gegensätze das Gute und das Böse an sich. 

Hat man erst die fundamentalste Struktur für sein Werk, für seine Schöpfung, ist der Rest Kinderspiel, reine Fleißarbeit. Und ein bisschen Können schadet nicht. Die Grobstruktur dieses Buches ist das, was der Leser als Inhaltsangabe am Anfang des Buches vorfindet. Dem geübten Leser genügt ein schweifender Blick über diese Inhalts-Struktur, um zu erkennen, ob es für ihn von Interesse ist. Ob er das, was der Autor ausdrückt, in sich „eindrücken“ lassen will. Hier stehen sich Du und Ich in hochkomplexer Gestalt gegenüber. Die Sprache ist das verbindende Element. Bei meiner Struktur ging auch ich vom einfachen Bild aus, das sich in zwei Gegensätze teilt. Je weiter die Struktur sich entfaltet, desto weiter entfaltet sich das einfache Bild, es bekommt viele Gestalten und Bedeutungen, um es allseitig zu beleuchten und zu erkennen. In seinem inneren Wesen aber bleibt es das eine einfache Bild. Die Lösung für alle Rätsel.

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