Noch ein bisschen mehr Menschliches

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Der Mensch ist Abbild Gottes – so steht es in der Bibel. Das kann man glauben oder nicht. Der Mensch ist ein fraktal-hierarchisches energetisches Abbild seiner Umwelt. Das heißt, Umwelt und Innenwelt zusammen sind eine Einheit, getrennt sind sie zwei polare Hälften. Diese Erkenntnis jedermann und jederfrau deutlich und klar zu machen ist die Absicht dieser Niederschrift.

Unsere typisch menschlichen Eigenschaften finden wir überall in der Natur wieder, meist mit anderen Namen. Ich erläutere im Folgenden aus meiner Big-Picture-Sicht nur einige der bedeutendsten menschlichen Qualitäten, traditionell Eigenschaften von Gott oder dem Schicksal.

Wille/Bewusstsein: Die totale Spannung zwischen den Polen kann auch den Begriff Wille bekommen. Diese Spannung erkennen unbewusste Menschen als unpersönlich, sie haben das Gefühl, dass eine Kraft außerhalb ihres Selbst und ihres eigenen Willens die Geschicke lenkt. Mit Zunahme des Selbstbewusstseins nimmt der Eigenwille zu, zumindest das, was wir unter eigenem Willen verstehen. Mehr und mehr übernimmt der Mensch die willentliche, bewusste Kontrolle über die Kräfte der Welt und erfährt dabei auch, dass er bei seinem schöpferischen Tun die Verantwortung für die Ergebnisse tragen muss, die er gespiegelt bekommt.

Sogenanntes Unbewusstsein, die sogenannten Kräfte der Natur scheinen deterministisch, logisch berechenbar, damit messbar. Hier spielen Mathematik und technisches Messen eine große Rolle. Es scheint, als wäre die „tote“ Umwelt absolut erkennbar und berechenbar. Mit Zunahme der inneren Komplexität und somit des Selbstbewusstseins nimmt der Eigenwille zu. Dass Voraussagen eintreffen oder mit den tatsächlichen Messergebnissen übereinstimmen, wird immer unwahrscheinlicher. Relativ unbewusste Menschen können noch einigermaßen über soziologische Statistik eingeordnet, über Werbung und Marketing beeinflusst werden. Voraussagen über Verhalten im Einkauf oder beim Straßenverkehr können annähernd eintreffen, wenn eine genügend große Masse an Menschen in die Berechnung einbezogen wird. Doch bewusster werdende Menschen sind in ihren Handlungen und Entscheidungen immer unberechenbarer. Es ist unmöglich vorauszusagen, ob sich ein bewusster Mensch ein Stück Kuchen kauft, wenn er an einem Bäckerladen vorbei geht und ihm der verlockende Duft in die Nase steigt, oder nicht. Menschen unbewusst und dumm zu halten scheint deshalb wirtschaftlich sinnvoller und gewinnträchtiger als selbstbewusste und allseits gebildete Persönlichkeiten heranzuziehen. Doch selbstbewusste Menschen sind nur scheinbar für eine Gewinnvergrößerung der Wirtschaft abträglich. Denn jetzt gilt es den Blick global und auf alle Kriterien wie Umwelt und Klima usw. zu weiten. Diese Kriterien sind in Zukunft stark in den Gewinn mit einzuberechnen, das heißt, von ihm abzuziehen. Ernährungs-, Umwelt-, Gesundheits-, Klima-bewusste Menschen konsumieren anders und eventuell quantitativ weniger, aber ihr Verhalten gibt zukünftigen Menschengenerationen eine bessere Chance, auf einem noch bewohnbaren Planeten leben zu können.

Meinung: Eine andere synonyme Begriffsmöglichkeit für die totale Spannung zwischen den absoluten Polen ist Diskrepanz, totale Trennung und Verschiedenheit der einzelnen oder Gruppen-Meinungen. Die Ur-Teilung erlebt der Mensch als sein Urteil über seine Welt. Er teilt damit seine Welt ein, er erschafft das Richtig und Falsch. So stehen sich heute als Ur-Teilung Religion und Naturwissenschaft gegenüber. Urteilende Meinung führt zu Differenzen und Krieg. Mit Zunahme von Selbstbewusstsein kommt es zunehmend zur Übereinstimmung der Gegensätze, zu Kompromissen, Friedensverträgen, Völkerverständigung bis hin zu einer Annäherung der Glaubensgegensätze in der Ökumene, in einer Vereinheitlichung der physikalischen Kräfte, einer Zusammenarbeit der Wissenszweige usw.

energetisches Fraktal der Ideen und Meinungen abb53

Abbildung 53: Herr A. zu Frau B.: „Im Grunde sind wir uns ja einige, aber im Detail gehen die Meinungen doch weit auseinander.“ 

 

Liebe: Liebe ist der emotionale Begriff, der den anziehenden Charakter der differenzierten Ur-Spannung beschreibt. Hass ist demgegenüber der Begriff für die totale Trennungskraft der Einheit in gegensätzliche Pole. Die Mächte und Kräfte der Liebe und des Hasses sind im unbewussten Zustand vom Menschen kaum bis gar nicht kontrollierbar. Der Begriff Ehe bedeutet Verbindung der Gegensätze. Ganz früher nannte man so eine Verbindung auch Erkennen. Im Alten Testament ist dieser Begriff noch zu finden, wenn zwei Menschen – in der Bibel selbstredend polaren Geschlechts – eine Ehe eingehen und Sex machen, dann steht geschrieben: „Sie erkannten sich.“

Kuss abb53a

Mit zunehmendem Selbstbewusstsein kann der Mensch über das Wissen der hormon- und neurotransmittergesteuerten Körperfunktionen bewussten und eigenwilligen Einfluss nehmen auf seine Triebsteuerung. Während die unbewusste Liebe egozentriert ist, wird der höchsten (bewussten) Liebe vollkommene Selbstlosigkeit zugesprochen. Die Liebe siegt, das erfahren wir nicht nur aus den Hollywoodfilmen. In der Tiefe unseres Selbst spüren wir, dass das wahr sein muss. Was wir Menschen als Liebe bezeichnen, ohne sie wirklich definieren zu können, ist entsprechend dieser Theorie die den Gegensätzen innewohnende Kraft der Verbindung. Diese Kraft verbindet letztlich ALLES Getrennte und Differenzierte zu einer undifferenzierten Einheit und mündet so im NICHTS. Im totalen Bewusstsein.

Dieser verbindende Prozess ist in vollem Gange. Das ist zu erkennen an den globalen vereinheitlichenden Bestrebungen auf allen Gebieten des Menschseins. Ich erkenne es auch in meinem direkten Umfeld, wo immer mehr Menschen keine Liebes- und Ehebindung zu nur einem Partner anstreben. Die Liebe zu mehreren, zu vielen, letztlich zu allen Menschen wird erstrebt. Was entsprechend dieser Theorie auch Selbst-Liebe ist auf einem höheren Level. Diese Erscheinung ähnelt ein wenig dem Sprengen der konventionellen Ketten in den 60er Jahren, ist heute aber bewusst spiritueller und weniger bekifft. Wenn alle Differenzen der polar differenzierten Welt überwunden sind, war es das Werk der Liebe aller zu allen und allem. Das Ergebnis ist vollkommenes Bewusstsein. Kann man das auch mathematisch ausdrücken?

Stress: Der unbewusste triebgesteuerte Mensch will immer mehr, immer schneller haben. Der innere Sog zwingt ihn. Neu, neuer, am neuesten, schnell, schneller, am schnellsten muss es sein. Wettbewerb ohne Ende. Jetzt erkannten die Forscher, dass auch unser Universum diesem Trend entspricht. Es dehnt sich immer schneller aus. Frage: Unterliegt der Mensch dieser allgemeinen universellen Verschnellerungs-Kraft oder kann er seine Zeitfaktoren selbst bewusst steuern? Kleiner Tipp: Das Zeit-Fundament jedes einzelnen ist der Zeitpunkt Null. Ab dem Zeitpunkt Null beginnt zunächst ALLES ganz langsam und wird mit zunehmender Differenzierung kleinteiliger und scheinbar schneller. Wäre Selbstbewusstsein eine Möglichkeit, das eigene Leben zu verlangsamen? Und würde, wenn genügend Menschen selbstbewusster und langsamer lebten, auch das Universum um den Menschen herum seine Geschwindigkeit drosseln? Würden dann die heute immer mehr verfallenden Werte wieder eine qualitative Zunahme erhalten? Wäre dann die erfahrene Lebensqualität des einzelnen immer zufriedenstellender, je weniger Quantitäten er hätte? Diese Theorie sagt „ja“. Doch ob es stimmt, kann jeder nur für sich selbst herausfinden.

 

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