Motiv und These

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Ich schreibe ein Buch über das Fundament. Welches Fundament ist gemeint? Als unterstes Fundament meine ich das, welches ALLEM Dasein zugrunde liegt. Aus meinen jahrelangen Forschungen und meinem Nachdenken ergab sich letztendlich die unausweichliche Schlussfolgerung, dass es dieses Fundament geben muss. Ich entwickelte dazu eine Theorie, die ich klar und verständlich im Folgenden darlege. 

Was muss ich dafür als erstes tun? Ich muss die Sprache und die Entwicklung der Sprache darlegen. Vorab in ganz kurzen Worten meine Definition: Alles Erkennen und Begreifen beruht auf Sprache. Es geht demnach auch darum, das Begreifen darzulegen. Die Sprache ermöglicht es, sich mit Worten und Begriffen verständlich zu machen. Was ist Verstehen? Oberflächlich weiß jeder, was das ist. Aber was ist es wirklich in seiner tiefsten Tiefe? Klarheit im Kopf, wo vorher Dunkelheit war? So kann man es zunächst benennen. Was ist Klarheit? Klar ist etwas, wenn es keine Fragen mehr gibt.

Den Zustand menschlicher Klarheit vergleiche ich mit dem farbigen Zustand Grau. In der menschlichen Erkenntnisfähigkeit ist Klarheit gleichzusetzen mit dem Zustand des Bewusstseins. „Es ist mir völlig klar. Es ist mir bewusst.“

Die Neurologie und Bewusstseinsforschung ging lange davon aus, dass nur Menschen Bewusstsein besitzen. Sie sahen im Bewusstsein etwas, das erst mit dem Menschen entstanden sei. Dem widersprechen inzwischen viele Forschungsergebnisse aus dem Tierreich, wonach auch Tiere Bewusstsein besitzen. Und in der jüngsten Forschungsliteratur finden wir Berichte über selbstbewusste  Pflanzen (Arzt, Volker: „Kluge Pflanzen“, C. Bertelsmann Verlag, München, 2009). Wenn es in Pflanzen auch schon etwas wie Bewusstsein und Selbstbewusstsein gibt, dann kann man die Bewusstseinsleiter auch noch weiter nach unten in der evolutionären Entwicklung schreiten. Wir wissen, dass Bakterien auf Umweltreize reagieren. Zum Beispiel werden sie resistent gegen Antibiotika. Das hat etwas mit Selbstbewusstsein zu tun. Ich mache jetzt Halt auf der Entwicklungsleiter.

Bewusstsein und Selbstbewusstsein sind fast, aber eben nicht ganz dasselbe. Jede Funktionseinheit des Universums hat Bewusstsein und Selbst-Bewusstsein. Aber in einer anderen Graduierung. In einem anderen Prozentsatz. Das Bewusstsein des Atoms versteht sich als alles in einem. Bitte meine Ausführung nicht kindlich vermenschlichen. Es geht hier um Abstraktion und höheres Verständnis.

Das Bewusstsein als Basis allen Daseins in meiner Theorie ist ETWAS, das wir niemals begreifen können. Doch es ist die Basis, das Fundament unseres Begreifens. Hier auch wieder ein einfacher Vergleich, um diese Aussage begreifbarer zu machen: Das Fundament eines Hauses ist beim Ansehen, Betrachten und Erkennen eines Hauses auch nicht zu sehen. Nicht einmal ansatzweise. Es wird für den Alltag der Benutzung des Hauses scheinbar gar nicht benötigt. Doch damit ein Haus funktionieren kann – in all seinen Eigenschaften – ist das Fundament das Wichtigste am Haus.

So ist das mit dem Bewusstsein an sich. Es trägt die ganze Welt, alles, was wir darauf sehen und erkennen und begreifen können und ist selbst doch nicht zu erkennen und zu begreifen.

Mein Motiv: Ich möchte beweisen, dass das Innen und Außen als Polarität aus einem Fundament erwachsen sind und dass eben darin alle bisher unerklärbaren und erklärbaren Phänomene der erkennbaren Welt gründen und dass aus dieser fundamentalen Sichtweise eine neue Herangehensweise an die Zukunft der Menschheit möglich ist. Damit möchte ich ein neues Mensch- und Weltverständnis begründen, das dazu führt, dass alle schweren Probleme der Menschen der Welt eigentlich ganz leicht und einfach zu lösen sind.

Die These

Das Fundament allen Daseins ist das Bewusstsein. Aus dem Bewusstsein differenziert sich das reale Dasein. Dieser Differenzierungsvorgang ist ein Erkenntnisvorgang. Das Dasein besteht somit aus drei Bestandteilen: 1. dem Bewusstsein, das nicht erkannt werden kann, 2. der Erkenntnis, die in sich geteilt ist zum einen in den Erkennenden und das Erkannte und 3. der Erkenntnisprozess, der wechselseitigen Bedingung zwischen Erkenner und Erkanntem.

Für mich, die ich an diesem Satz jetzt seit 15 Jahren hart arbeite, ist diese These inzwischen leicht zu begreifen. Ich knüpfte inzwischen ein riesiges Netz an Wissen aus allen Wissensbereichen und Epochen in meinem Kopf. Ich prahle nicht damit, denn es war ursprünglich nicht so sehr mein Wille, dieses Netz zu knüpfen. Von Natur aus bin ich eher geruhsam und vermeide ein Zuviel an Arbeit.  Ich bin nicht fleißig um des Fleißes willen.

Vor etwa 15 Jahren steckte ich in einer Lebenskrise, die mich veranlasste, die große Frage zu stellen: Warum? Diese Lebensphase beschrieb ich ausführlich in meinem ersten Buch „Heilendes Denken“i. Nur so viel muss ich zu dem damaligen Zustand sagen, weil das zum späteren Verständnis beiträgt: Ich war damals ganz tief in mich zusammengezogen. Fast unendlich. Es war eine sehr schmerzvolle Depression, in der ich mich befand und die ich als ein unendlich tiefes dunkles kaltes Loch beschreiben kann. Die meisten Menschen kennen dieses Loch oder lernen es im Laufe ihres Lebens kennen. Das ist unvermeidlich und gehört zum Leben dazu. Dabei gibt es kleine und größere und eben unendlich große tiefe, unendlich dunkle kalte einsame Löcher.

Früher formulierte ich diese These noch etwas anders. Ich sagte, dass alles Dasein ein Gedanke wäre, wobei ein Gedanke aus zwei Teilen bestünde. Aber immer dann, wenn ich diese These jemandem klar machen wollte, stieß ich auf Ablehnung und Widerwille, sich meine Gedanken dazu anzuhören. Heute weiß ich auch warum. Darum: Weil die Menschen NOCH nicht das Wissen um das Fundament des Daseins besitzen. Aus diesem Grunde, damit dieses Wissen auch endlich einmal in moderner Sprache verfasst DA ist, schreibe ich dieses Buch.

Der Urtrieb, das Ur-Motiv des Forschens findet in der Frage WARUM sprachlichen Ausdruck. Doch zunächst ist es kein Wort, sondern ein inneres Gefühl. Jeder Forscher, jeder kreative Mensch kennt dieses Gefühl, wenn es anfängt in Kopf und Körper zu spannen. Ist der Schmerz besonders groß, kann man von einer kommenden großen Leistung, einer großartigen Antwort oder einem großen schöpferischen Werk allgemein ausgehen. Meistens. Insofern sollte man eine Depression nicht zuallererst mit Pillen heilen, weil sie – oft – keine Krankheit ist,  sondern den depressiven Menschen die Möglichkeit geben, kreativ zu wirken. Der Mensch ist Bestanteil der universellen Gesamtheit. Er dehnt sich aus und zieht sich zusammen. Da gibt es nicht nur den großen Prozess der  Zellteilung des Fötus und der energetischen Entfaltung ins Leben hinein und der Zellzerstörung und dem energetischen Rückzug, was wir Tod nennen.

Auch innerhalb dieses allgemeinen Lebenszyklus gibt es viele kleinere besondere Zyklen von energetischer Ausdehnung und energetischem Zusammenziehen. Das ähnelt der Natur, wo sich die „Lebensenergie“ im Herbst und Winter in die Tiefe zurückzieht und im Frühling und Sommer wieder mit neuer kreativer Pracht entfaltet. Künstler kennen diese Zyklen als freudvolle Schaffensperiode und kreative Pause, die oft als sehr schmerzvoll empfunden wird. Depressionen stellen sich oft ein, wenn ein kreativer Schaffensprozess scheinbar unterbrochen ist, was mit persönlichem Versagen gleichgesetzt wird.

Ich bin Meisterin der Sprache, Journalistin – das Suchen und Fragen gewohnt. Als ich mich in dem Loch befand, formte sich in meinem Kopf von ganz allein die Frage: Warum? Mit dieser Frage öffnete sich nach und nach eine Art Tor, aus dem Antworten im Übermaß hervorquollen.

Als erstes „erschien“ in mir eine Art Bild als Antwort. In Worten ausgedrückt würde das Bild „DARUM!“ heißen. Mit diesem Bild war mir auf einmal ALLES klar. Aber ach, mir fehlten die Worte, die Begriffe, um dieses innere Bild anderen Menschen begreifbar zu machen. Diese Zusammengezogenheit muss man sich vorstellen wie eine eng gewickelte Feder, in der viel Kraft steckt. Diese Kraft entlud sich in mir und trieb mich die kommenden Jahre an,  Begriffe und Worte zu finden, um anderen Menschen mein Bild ebenfalls so sonnenklar zu machen, wie es mir so erschienen war.

i Baranovskyy, Uta: „Heilendes Denken“, E-Book bei Amazon, 2001

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