Die Bildung und Entfaltung von Sprache

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Sprache ist etwas Gewachsenes in Zeit-Raum hinein. Sie entstand nach meinem Verständnis wie alles andere Dasein aus dem genannten NICHT-Daseins-Grau. Sprache unterliegt nicht nur Regeln und besteht aus einer Struktur, sie ist eine gewordene Regel und sich entwickelte Struktur. Da sie alles ist und alles darstellt und zugleich alles erschuf, hat sie fundamentale Eigenschaften, die ich im folgenden Stück für Stück, Strukturteil für Strukturteil darlege. 

Das Fraktal

Um meine allgemeine und über die bisherigen Ansichten zur Sprache weit hinausgehende Definition von Sprache zu verstehen, muss ich vorab einige Begriffe klären. Dazu gehört der Begriff „Fraktal”. Der französisch-amerikanische Mathematiker Benoit Mandelbrod, 1924-2010, gilt als Erfinder dieses Begriffes, der aus dem lateinischen stammt und soviel wie Gebrochen, in Stücke geteilt, bedeutet.

Fraktal Kochkurve abb03

Abbildung 3 : Kochkurve: Aus dem Einfachen differenziert sich das Komplexe.

 

Ein Fraktal besteht stets aus selbstähnlichen Stücken/Teilen, wobei sich einzelne Teile zu größeren Teilen zusammenfügen und wieder dem einzelnen Teil ähnlich sind. Die einzelnen Teile stehen in einem nichtlinearen und nicht ganzzahligen Zusammenhang. Im Internet findet man sehr viele schöne fraktale Bilder. Am einfachsten verständlich wird das Fraktal mit der Koch´schen Kurve, die der schwedische Mathematiker Helge von Koch, 1870-1924, entwickelte.  Siehe Abbildung 3.

Dazu nehme man eine Linie als Ausgangs-Basis. Diese Linie wird nun geteilt durch ein offenes Dreieck, das aus zwei Linien besteht, die nun ihrerseits die Basis bilden für weitere Teilungen.

Das EINFACHE Ganze (in diesem Fall ein Strich) als Fundament wird durch Teilung mittels seiner ähnlichen Teile (Striche) zu einem komplexen und letztlich sehr kompliziert anmutenden Gebilde, bei dem man nicht mehr glaubt – so man keine Ahnung und Wissen von Fraktalen hat – dass es in seiner Basis ganz EINFACH ist.

Alle Gebilde sind Fraktale. Bei einigen Gebilden erkennt man das sofort, wie zum Beispiel beim Blumenkohl, wo jedes Blumenkohlröschen dem gesamten Blumen-Kohl-Kopf ähnelt. Auch ein Baum ist ein Fraktal. Da sehen wir den Stamm als Basis, der sich teilt in zwei kleinere Stämme, Äste genannt. Und jeder Ast teilt sich wieder und wieder in neue Zweiheiten,  Zweige genannt. Lange Polymermoleküle sind genauso fraktal wie die Ansammlungen von Sternen und Galaxien im Universum.

Winterbäume abb04

Abbildung 4 : Bäume sind ein Fraktal wie der Wald, genauso wie jede einzelne Schneeflocke.

Ein Flussdelta ist ebenfalls ein Fraktal. Das Fundament dieses Deltas ist der Fluss, von dem sich viele kleinere Ströme abzweigen, die dann wieder das Fundament bilden für weitere abzweigende Flüsschen. Nicht nur natürliche Gebilde sind fraktal aufgebaut. Auch der Mensch baut in fraktaler Art und Weise. Straßennetze sind genauso Fraktale wie Schienennetze, wie das Internet. Auch ein Haus ist ein Fraktal. Ein Haus besteht in seiner fundamentalen Form (nicht als Baufundament zu verstehen) aus einem großen Raum. Dieser Raum wird unterteilt in viele Räume, zum Beispiel Etagen, welche wieder in Wohnungen geteilt sind. Diese sind ebenfalls unterteilt in Räume wie Küche, Bad, Flur, Schlafzimmer. In den Zimmern sind weitere Raumteilungen möglich in Form von Schränken, die wiederum aus Fächern bestehen.

Versteht man das Wesen eines Fraktals erst einmal, macht es Spaß, in seiner Umgebung oder auf dem Spazierweg fraktale Gebilde zu suchen und das einfache Fundament dieses in Teile gebrochenen Wesens zu suchen und zu finden.

Es ist nicht immer leicht, in den Strukturen um uns herum den fraktalen Charakter zu finden.   Denn die hohe Differenziertheit unserer Welt macht eine derartige Vielfalt der Erscheinungsweisen möglich, dass das Fundamentale, was diese Vielheit vereint, nicht sofort erkannt wird. Zumal es nicht nur viele Erscheinungsformen gibt, sondern auch viele Interpretationen und Begriffsvermögen der Menschen. Und dann kommt noch die menschliche Sprache hinzu, die ebenfalls fraktal aufgebaut ist. 

Der Turmbau zu Babel

1. Mose – Kapitel 11

1 Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. 2 Da sie nun zogen gen Morgen, fanden sie ein ebenes Land im Lande Sinear, und wohnten daselbst. 3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, laß uns Ziegel streichen und brennen! und nahmen Ziegel zu Stein und Erdharz zu Kalk 4 und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, des Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen! denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. 5 Da fuhr der HERR hernieder, daß er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. (1. Mose 18.21) (Psalm 14.2) (Psalm 18.10) 6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und haben das angefangen zu tun; sie werden nicht ablassen von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7 Wohlauf, laßt uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe! 8 Also zerstreute sie der HERR von dort alle Länder, daß sie mußten aufhören die Stadt zu bauen. (Lukas 1.51) 9 Daher heißt ihr Name Babel, daß der HERR daselbst verwirrt hatte aller Länder Sprache und sie zerstreut von dort in alle Länder.“i

Die Bibel ist ein Buch voller Gleichnisse und Bildern. Was aber will uns heute dieses Gleichnis und Bild vom Turmbau zu Babel sagen? Bevor ich das Fundament der Sprache darlege, möchte ich noch einmal die Bibel zitieren mit dem berühmten Spruch: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ii Wir benötigen diesen Satz, um das Fundamentale des Biblischen Babel-Bildes zu verstehen.

In allen Völkern der Welt wird die Sprache des Menschen als göttliche Gabe verstanden. Das verwundert nicht, wenn man nun weiß, dass laut Forschung alle Völker von einer Ur-Eva abstammen sollen. Und diese eine Eva sprach sicher nur eine Sprache. Wichtig ist bei der Erforschung der Sprache eine konsequente Entwirrung der Komplexität, um das EINFACHE Fundament zu finden. Das ist viel leichter als sich das die Sprachforscher so vorstellen. Es ist soooooo einfach, dass es jedem studierten Doktoren nicht in den Sinn käme, dass DAS das Fundament der Sprache sein soll.

Unter Sprache versteht auch die Sprachforschung ganz allgemein eine Einheit, die aus vielen Untereinheiten besteht. So besteht die menschliche Sprache aus Wörtern, die jedes für sich eine andere Aufgabe und Bedeutung hat. Es gibt Hauptwörter und Tätigkeitswörter, Verbindungswörter, Zeitwörter, Eigenschaftswörter. Wörter kann man in Silben teilen und diese wieder in Buchstaben. Eine Sprache ist ein in Stücke gebrochenes Ganzes.

Hier das Fundament zu finden, scheint zunächst genauso schwierig, wie Gottes ansichtig zu werden. Denn das Anfangs-Wort war bei Gott und Gott, so steht es geschrieben, ist unerkennbar.

Auf der Suche nach dem sprachlichen Fundament müssen wir dem Sprachfraktal noch eine Eigenschaft zuweisen. Sie dient der Verständigung. Sprache ist somit ganz allgemein geteilt in Ausdruck(Form) und Eindruck(Inhalt). Was aber ist die Basis dieser Differenzierung? Die Antwort lautet Bewusstsein.

Das Bewusstsein ist das Fundament der Sprache, die sich teilt in Inhalt und Form, teilt in Ausdruck und Eindruck, teilt in das, was begriffen und erkannt werden kann und in den, der begreift und erkennt. Das bedeutet, dass der Mensch, der Sprache sowohl formuliert als auch
versteht und begreift, in seiner tiefsten Basis gottgleich ist. Genau das will ich zum Ausdruck bringen. Jetzt wäre ich fertig mit dem Buch,  doch treibt mich ein weiteres Anliegen.

Ich will umfassend begriffen werden, umfassend erkannt. So fahre ich fort, damit mich jeder, ob wissenschaftlich höchst gebildet oder der „normale“ Mensch mit gesundem einfachen Menschenverstand, gleichermaßen begreift und versteht.

Das einfache Bild

Der Text über die Sprache ist für mich mit Abstand der interessanteste und wichtigste. Er trägt – fraktal-hierarchisch betrachtet – alle übrigen Texte. Obwohl ich mir inzwischen sehr sicher bin, dass ich diesen Text ziemlich gut so formulieren kann, dass ich verstanden werde, hängt immer noch eine Spur Angst in mir, eben nicht verstanden zu werden, was bedeutet, keine Anerkennung zu bekommen, keine Verbindung zum Du herstellen können, keine soziale Interaktion zu erfahren, in den Augen meiner Welt NICHTS zu sein. Denn Sprache besteht nicht nur aus sichtbaren Zeichen, sondern vor allem auch aus dem nicht sichtbaren Inhalt, der mitgeteilt wird zum Zwecke der Verbindung der Gegenteile. Sprache ist nicht nur äußerer Ausdruck, sondern auch innerer Eindruck, was mit Gefühl zu tun hat.

Es gibt bei der Erkenntnis einer Sache zwei Methoden. Man kann sie von Außen betrachten und von dort beginnen, sie auseinanderzunehmen und dabei versuchen, eine innere Struktur zu finden, anhand derer man Details erkennt und sich so von der Sache ein detailliertes Gesamtbild verschafft. Das ist die gängige Methode in der modernen Wissenschaft. Sie ist mühsam, langwierig und oft wenig erfolgreich, wenn es um sehr komplexe Strukturen geht, wie es Sprache ist, wie es das Gehirn ist und auch wie es der Kosmos ist.

Es gibt aber auch die Methode, dass man dieselbe Sache von Innen her aufdröselt. Dazu ist eine klare Idee und Vorstellung von Vorteil, was den Kern, das Wesen, der Sache ausmacht. Wer einmal so eine Idee vom inneren Kern hatte, der brachte plötzliche große Entwicklungsfortschritte in das Leben der Menschen. Dazu gehört zum Beispiel der deutsche Chemiker August Kekulé (1829-1896).iii Er war auf der Suche, Farben chemisch zu produzieren, was bis zu seiner Entdeckung nur ungenügend möglich war. Farben für Kleidung entstanden bis dahin aus pflanzlichen und tierischen Substanzen und die Farbherstellung war hauptsächlich in Asien beheimatet. Eines Nachts erschien Kekulé im Dämmerschlaf das Symbol eine sich in den Schwanz beißenden Schlange, das aus der Alchemie bekannte Uroboros-Symbol. Und schlagartig war Kekulé klar, wie sein Problem, dass auch das Problem der gesamten damaligen chemischen Industrie war, gelöst werden könne. Er fand durch die Vision dieses Schlangenbildes die Ringformel, den sogenannten Benzolring, und begründete damit die moderne Strukturtheorie der organischen Chemie. Das war ein Befreiungsschlag für die chemische Industrie und ein Sprung in der industriellen Entwicklung Europas, vor allem Deutschlands.

Benzolring abb05

Abbildung 5: Sprache in Form von Buchstabenworten und Ziffernformeln ist abstrakte Wirklichkeit.

 

Übrigens war Kekulé auch ein hervorragender Zeichner, der vor seiner Chemikerlaufbahn sogar Architektur studierte, er kannte sich mit bildhafter Symbolik aus. Er ist auch nicht der einzige Mensch, der über ein inneres Vorstellungsbild plötzlich eine Erkenntnisrevolution einleitete. Warum uns ein Bild mehr als tausend Worte sagt, das ist ebenfalls eine der Fragen, die im Laufe der folgenden Seiten beantwortet werden. 

Auch meiner sprachlichen Darstellung über das Wesen, das Fundament des Daseins und der Sprache liegt ein Symbolbild zugrunde. Vor 15 Jahren, in meiner depressiven Phase, stellte ich mir immer wieder die Frage nach dem Warum. Und eines Tages oder nachts, diese Vision hat nicht direkt ein Datum, sie kam aber ziemlich plötzlich, wusste ich es. Ich hatte die Antwort deutlich und klar. Darum. Wobei dieses „Darum“ zunächst kein Wort war, sondern ein inneres Bild, eine Vorstellung. Ich wusste es ganz genau. Ich wusste nicht nur, warum der Mensch leidet, ich wusste ganz genau ALLES. Allerdings war ich vollkommen unfähig, dieses Wissen in Worte zu fassen. Ich konnte mich mit meinem Wissen niemandem begreiflich machen. Ich, langjährige Journalistin und eingebildete Meisterin des Wortes, konnte nur stammeln und schien meinen Mitmenschen ziemlich verworren. Von da an fühlte ich mich wie in einem Gefängnis, dessen Mauern ich nur mit den Begriffen einreißen konnte, die mich dazu brachten, begriffen zu werden. Ich wollte wieder sozial und kommunikativ verbunden sein mit meiner Umwelt. Ich denke, mir ging es damals so ähnlich wie Menschen, die zum Beispiel durch einen Schlaganfall ihr Sprachvermögen verlieren. Sie wollen sich mit ihrer Umwelt mittels Worten mitteilen, sie wissen offenbar ganz genau, was sie sagen wollen, doch aus ihrem Mund kommt nur unverständliches Gestammel.

Lange Zeit war ich nur in der Lage, dieses Urbild zu zeichnen. Wenigstens zeichnen konnte ich es. Es war eine graue Fläche, aus der sich die beiden gegensätzlichen Farben Schwarz und Weiß teilten. Abb.6

Das Grau steht hier symbolisch für das Nicht-Erkennbare, das NICHTS, in dem sich ALLES potenziell befindet. Die erste Differenzierung in absolute Pole ist das Ur-Wort, das Ur-Bild, das Ur-Zeichen, da sich hier in reinster Form Bild und Abbild spiegelnd gegenüberstehen. Die beiden schwarz-weiß-Pole zusammen wiederum bilden das Spiegelbild des Grau. Diese drei Gebilde, so wusste ich es, sind das Fundament der komplexen differenzierten Struktur des Daseins. Bildlich gesehen. Dieses Bild wollte ich in Worten begreifbar machen. Ich wusste nicht, wie lang dieser Weg werden sollte.

ganz einfaches Bild abb06

Abbildung : In diesem Bild steckt das Wissen über die ganze Welt.

 

Als erste Wort-Begriffe standen mir nach einiger Lektüre die Worte Yin und Yang zur Verfügung, die einigermaßen die Inhaltlichkeit trugen, die ich dieser ersten Polarität zumaß. Oft sprach ich den Satz: „Yin und Yang vereinen sich zu Harmonie.“ Es war eine lange esoterische Zeit, in der ich fieberhaft wissenschaftlich forschte und unwissenschaftlich lebte. Doch ich hatte ein klares Ziel, ein inneres Bild, das mich leitete.

Danach konnte ich alles andere relativ einfach sortieren. Ich erlernte viele Vokabeln, viele Begriffe aus all den vielen Wissenschaftssprachen wie Physik, Chemie, Biologie, Physiologie, Anatomie, Geologie, Geschichte – ach, was weiß ich, alles eben. Und immer suchte ich solange, bis ich dieses innere Bild des ursächlichen Grau, das sich in die ursächlichen Gegensätze Schwarz und Weiß teilt und spannt und doch eine innere Verbindung besitzt, fand. Und ich fand es überall. In jeder Wissenschaft, in jeder Funktion, in ALLEM. Ich benötigte nur wenig Bild-Wissen, das aber war fundamental, um mir viel Wort-Wissen anzueignen, um von dem ursprünglichen einfachen Schwarz-Weiß-Grau-Bild eine verständliche Bildbeschreibung abzuliefern. Allerdings benötigte ich für dieses Schrift-Bild (dieses Buch) mehr als tausend Worte.

Wenn ich den Begriff Bild benutze, will ich zunächst klar machen, was ein Bild ist. Ein Bild ist ein Abbild von etwas. Ein Spiegelbild. Ein Bild hat immer ein Gegenüber, das es abbildet. Ein Bild ist somit ein Zwilling, zwei Teile, die sich selbst ähnlich sind. Was ist aber die Basis von Bild und Abbild?

Ich sage Bewusstsein. Ein Bild ist Form und Inhalt zugleich. Somit etwas, was erkannt wird von jemandem, der erkennen kann. In unserem Kopf, im Gehirn, besitzen wir nur Abbilder unserer Umwelt. Nicht die Umwelt selbst. Was wir in unserer Umwelt erkennen, nennen wir Welt. Doch es kann sein, dass diese Welt nur in unserem Gehirn stattfindet. Zumindest vertreten das Idealisten in der philosophischen Auseinandersetzung um das Dasein. Was bedeutet, erst ist der Geist da, dann die Materie. Die Materialisten hingegen behaupten, dass unser Gehirn eine Art Spiegel darstellt, das nur das abbilden kann, was wirklich da ist. Was bedeutet, erst ist die Materie da, dann der Geist.

Wenn ich von einem Bild spreche, weiß jeder, was gemeint ist. Ein Foto zum Beispiel oder ein Gemälde, eine Zeichnung, eventuell auch eine Skulptur von einem Bildhauer aus Stein, Marmor oder Gips gehauen, in Bronze gegossen. Doch die Erschaffung dieses materiellen Bildes musste zuvor im Kopf des Menschen da sein, damit er es kreieren kann. Doch woher hat der Mensch das Bild im Kopf? Beißt sich hier die Katze in den Schwanz? Ist es der alte Streit, was war zuerst da – Huhn oder Ei?

Ordne ich dem Begriff Bewusstsein als Fundament eines Bildes eine Farbe zu, dann die Farbe Grau.  Grau aus dem Grunde, weil es ganz allgemein als undifferenziert angesehen wird. Als Pigmentfarbe ist Grau eine Vermischung aus schwarzen und weißen Pigment-Teilen. Wenn ich das Grau teile, entstehen zwei gleichgroße Häufchen schwarzer und weißer Pigment-Teile. Optisch gesehen besteht Grau zu gleichen Teilen aus Helligkeit und Dunkelheit. Der Mensch kennt das Morgen- und Abendgrauen. Im Mittelpunkt zwischen dunkelster Nacht und hellstem Tag liegt stets die graue Dämmerung, die Mitte der beiden Gegenteile. 

ganz einfach differenziertes Bild abb07

Abbildung 7: Dass alles Dasein reine Spiegelei ist gehört zum Fundament der Fundamenttheorie.

 

Mein Ur-Bild besteht aus den drei Teilen: Dem hermaphroditen Grau und den Zwillingen Schwarz und Weiß bzw. Licht und Dunkelheit.

Aus dieser Dreiheit des Ur-Bildes grau-schwarz-weiß differenzieren sich die Farben, alle Gemälde und Zeichnungen und Fotos. Farben sind weitere Differenzierungen von Licht und Dunkelheit, die in unserem Auge und Gehirn nicht mehr nur als Graustufen, sondern als Farbstufen, Farbteile erkannt werden. Alle sieben Spektralfarben zusammen ergeben im Computer die Erscheinung „Weiß“, auf dem Papier mit Pigmentfarbe übereinander gemalt oder gedruckt die Erscheinung „Schwarz“. Legt man aber die komplementären Farben (gegensätzlich im Farbkreis) übereinander, dann ergeben sie zusammen die Erscheinung Grau. Abb. 7

Das Grau steht bildlich für Nicht-Erkennen und Nicht-Dasein in einem. Ein Neugeborenes, wenn es die Augen öffnet, erlebt dieses menschliche Grau in Form von EINEM Eindruck, den es nicht differenzieren kann. Es weiß nichts, es erkennt nichts. Es hat keinen Begriff von der Welt, das heißt, es hat EINEN Begriff, es begreift ALLES und NICHTS zugleich. So erging es dem „ersten Menschen“, dessen Bewusstsein sich zu öffnen begann: Er nahm auf einmal alles wahr, aber von heutiger  Erkenntnis und Begreifen war da keine Spur. Und doch, sowohl das Kind als auch der „erste Mensch“ hatte schon eine Vorbildung in Form von Wahrnehmungsorganen, von sogenannten Trieben, von nonverbaler Kommunikation. Und so gibt es historisch rückwärts betrachtet immer wieder eine Art Vorbild in irgendeiner Form, bis wir ganz und gar zurück gelangen an den Anfang von Zeit und Raum, wo alles als Ganzes sowohl da (in der Möglichkeit, da zu sein) als auch nicht da ist (real vorhanden, aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit transportiert).

allgemeines Erkenntnisbild abb08

Abbildung 8: Differenzierungen aus Licht und Dunkelheit ergeben die Fülle der Farbigkeit, die eine fraktale Struktur besitzt.

 

Das Prinzip der fundamentalen Bild-Differenzierung ist dasselbe wie bei allen lebendigen Erscheinungen. Aus einem Kern bzw. Korn differenziert sich die ganze Pflanze, aus einer Stammzelle entsteht durch Differenzierung der komplexe tierische Körper. 

Ich wusste: Dieses innere dreigeteilte Ur-Bild grau-schwarz-weiß ist das Fundament der Sprache, aus ihm bildet sich unser Begreifen, bildet sich unsere Erkenntnis, bildet sich letztlich die gesamte Umwelt und bildet sich parallel als Zwilling der Umwelt der Mensch mit seinen Organen und seinem Gehirn.  Jeder Mensch ist in seinem Aufbau, seiner innersten Struktur energetisch der Zwilling seiner ihn persönlich umgebenden Umwelt. Das Zwillingsbild sozusagen. Daraus geschlussfolgert: ALLES ist Sprache. Ich wusste das alles aus diesem einen Ur-Bild heraus.

Natürlich „spricht“ ein Hund anders als eine Pflanze, eine Bakterie spricht anders als ein Stern. Denken wir an den Babelturm, wo Gott die Sprachen vervielfältigte, damit einer den anderen nicht mehr verstehe. Gott ging da sehr großzügig mit der Verwirrung vor und gab nicht nur jedem menschlichen Volk, sondern jedem existierenden EINZELTEIL seine individuelle, eigene Sprache und Ausdrucksmöglichkeit.

An dieser Stelle möchte ich eine Anmerkung zur Bibel und zu den biblischen Bildern einfügen. Die Bibel ist nicht nur ein Buch mit Worten, an das streng Gläubige Wort für Wort glauben. Sie ist vor allem ein Geschichtsbuch, das in großen Szenen und bildhaften Darstellungen das Leben der Menschen vor tausenden Jahren schildert als auch deren Verständnis über ihr Leben und Wirken und das Wirken der Wirklichkeit darstellt. Bevor die Menschen diese ausgewählten Geschichten zu einem christlichen Weisheitsbuch verbanden, erzählten sie sie sich an abendlichen Lagerfeuern. In ihrer einfachen Inhaltlichkeit finden wir zum Beispiel die Bilder von symbolträchtigen Bäumen und von der Sintflut in fast allen mythologischen Geschichten und Religionen der Welt wieder.

Die uralten Geschichten prägten das Wissen und die Kultur aller Völker der Welt, wobei die Bibel die europäische Kultur stark prägte. Obwohl das vielen Deutschen kaum bewusst ist, baut unsere heutige deutsche Lebenskultur auf diesen alten Sprach-Bildern auf. Oder in der Sprache dieses meines Buches ausgedrückt: Differenziert sich daraus. Weil ich mein Buch in der deutschen Sprache für deutsch sprechende Menschen schreibe, deshalb verwende ich öfter die biblischen Geschichten, Ur-Bilder und Gleichnisse, um auf einem uns als deutschem Volk eigenem Ur-Verständnis für weitere Ausführungen aufzubauen.

Sprache ist Inhalt und Form zum Zwecke der Verständigung mit seiner Umwelt, zum weiteren Zwecke der eigenen Existenzsicherung, der Existenzsicherung der eigenen Art. In dem schon erwähnten Buch „Kluge Pflanzen“ kann man viel über diese pflanzliche differenzierte Verständigungsart erfahren. Dass Moleküle miteinander kommunizieren, Informationen zu einem bestimmten Zweck austauschen, das ist in der Biochemie allseits bekannt. Kommunizieren auch Steine?

Nach meinem hier dargelegten Verständnis ja. Jeder Stein „spricht“ eine andere Sprache. So, wie es DEN Menschen nicht gibt, so gibt es DEN Stein nicht. Der Begriff Stein steht als Oberbegriff, in dem sich viele Unterbegriffe, in diesen Fall Steinsorten und Steinarten befinden. Hier erkennen wir schon wieder den fraktalen Charakter der Sprache. Betonung liegt auf: WIR ERKENNEN! Bleiben wir trotzdem erst einmal bei dem, WAS wir erkennen. Viele Steinarten: Schiefer, Basalt, Gips, Marmor, Granit und der für UNS wohl wertvollste Stein, der Edelstein. Und auch hier gibt es wieder viele Unterteilungen, denn DEN Edelstein gibt es nicht, dafür Saphire, Diamanten, Karneole, Rubine, Smaragde und so weiter.

DEN Smaragd an sich gibt es ebenfalls nicht. Wieder kann man hier im Oberbegriff Smaragd weitere Unterteilungen vornehmen. WIR nehmen diese Unterteilung vor. Wir erkennen eine Unterteilung, weil wir eine äußere und inhaltliche Bewertung vornehmen. Es gibt unterschiedliche Vorkommen an Smaragden in der Welt, in jeder Edelsteinfundgegend gibt es wieder Unterschiede und jeder einzelne gefundene Stein unterscheidet sich in Art und Aussehen von jedem anderen.

Nun gut, Steinsorten werden von uns sortiert, aber wie „reden“ Smaragde? Zunächst „sprechen“ sie (uns) in einer Farbe (an) – in diesem Fall Grün. Sie geben der Umwelt damit ein Signal, ein Zeichen. Sie sprechen in der chemischen Zusammensetzung Aluminium, Beryllium, Sauerstoff, Silicium, Chrom. Dort, wo es diese unterschiedlichen chemischen Elemente gibt, die die Bestandteile des Smaragdes sind, kann sich durch Austausch von Stoffen ein solcher Edelstein bilden. Und dazu muss es noch ganz bestimmte äußere Bedingungen geben, damit sich die Elemente zu dem ganz bestimmten inneren Elementegemisch Smaragd verbinden.

Ich spreche jetzt von chemischen Elementen, von geologischen Strukturen. Seit wann hat das  etwas mit Sprache zu tun?

Bisher nicht. Das will ich mit diesem Buch ändern. Ich will die Erkenntnisfähigkeit des Menschen sowohl erweitern als auch wieder konzentrieren. Unter Sprache wird sehr oft nur die menschliche Sprache verstanden. Damit befasst sich die ganz spezielle Fachrichtung Sprachwissenschaft, als Fachwort Linguistik genannt. Kommunikationswissenschaftler fassen das Thema schon weiter.  Für sie gibt es die Unterteilung in verbale – mittels Laut und Mund gesprochene Sprache – und nonverbale Sprache, die aus der Gesamtheit der Erscheinung und Ausdrucksweise des Daseins besteht. Dazu gehören das Aussehen, die Töne an sich, Bewegungen, Umwelt ebenso. Das trifft dabei nicht nur auf Menschen zu. Ich fasse die Sprache als Ausdruck-Eindruck aller Formen und Inhalte in der erkennbaren Welt auf. Damit reiße ich alle fachspezifischen Zäune ein, die bisher um einzelne Gebiete gezogen sind und einen umfassenden Blick, eine allumfassende Erkenntnis verhindern.  

Überall finden wir die allen Systemen und Teilen gemeinsamen Eigenschaften: Teilen und Verbinden. Chemie hat mit Trennung und Verbindung von sogenannten Stoffen zu tun. Dabei entstehen neue Stoffe. Jedes Element, jeder Stoff hat eigene individuelle Eigenschaften. So erkennen WIR es. Dabei sind die Elemente sogar sehr eigenwillig. Das eine will nicht mit dem anderen, dafür aber mit diesem dort ganz besonders eine Verbindung eingehen. Stoffe kommunizieren ganz unterschiedlich. Manche Elemente gehen niemals unter keinen Umständen eine Verbindung miteinander ein. Andere gibt es kaum ohne eine enge Verbindung, wie zum Beispiel Wasserstoff, den man häufig in Verbindung mit Sauerstoff antrifft in Form von Wasser. 

So, wie Menschen sich mittels menschlicher Worte verbinden (in Liebe und Zuneigung) oder trennen (in Hass und Abneigung), so verbinden und trennen sich die chemischen Elemente über die Elektronen ihrer Atome. Somit ist auch ein chemisches Element ein Fraktal. Eine geteilte Einheit. Was ist denn das Ähnliche aller großen und kleinen Teile in diesem Universum? Energie. Alles, ob Atom, Elektron, Molekül, Stoff, Stoffgemisch, Organ wie zum Beispiel das Gehirn, der gesamte Organismus, das gesamte Universum, besteht aus Energie. Das gesamte Universum ist ein energetisches Fraktal. Die Sprache, von der ich hier spreche, die das Universum repräsentiert, ist ein energetisches Fraktal.

i CID – christliche internet dienst GmbH: Turmbau zu Babel, Bibel-Online.NET seit 09/1996 online, http://bibel-online.net/buch/luther_1912/1_mose/11/, letzter Aufruf 3.9.2013, 14.12 Uhr

 

ii CID – christliche internet dienst GmbH: Am Anfange war…, Bibel-Online.NET seit 09/1996 online, http://bibel-online.net/buch/luther_1912/Johannes/1/, letzter Aufruf 3.9.2013, 14.14 Uhr

 

iii Wikipedia: Kekulé, Version 8.9.2013, 18.38 Uhr

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=August_Kekul%C3%A9&oldid=121432764

 

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