Beispiele von Innen- und Außen-Zusammenhängen

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Wenn ALLES eine Einheit ist, ist es logisch, dass innerhalb dieser Einheit alles einen Zusammenhang hat. Dieses Wenn-Dann-Gebilde wird traditionell Determinismus genannt und beruht auf logischen Folgen. Mit den bisherigen Problem-Lösungs-Methoden auf der Basis von Glauben und Wissen bekämpften und beseitigten die Menschen zumeist nur die äußeren wahrgenommenen Problem-Gebilde.

Dabei entstanden deterministisch bedingt immer neue Probleme. Das kennen wir aus den Märchen, wo der Hydra ein Kopf abgeschlagen wird und ihr zwei neue wachsen.

Im Folgenden zeige ich diese wechselwirkenden Zusammenhänge individueller Probleme, die sich als allgemeines Problem darstellen, anhand von zwei Beispielen auf.

Die Basis aller erlebbaren Probleme ist die Wechselwirkung von „zu wenig“-„zu viel“, die sich als polare Einheits-Teile spannungsvoll gegenüberstehen. Der Mensch erkennt diese Polarität in sich auch als empfundener Sog und Druck.

Den Sog erlebt der Mensch in der ihm bewusst werdenden Form: Ich habe nicht genug. Er spürt diesen Sog in den unterschiedlichsten Körperregionen. Zum Beispiel im Magen: Ich habe nicht genug zu essen. Zum Beispiel im Kopf: Ich weiß nicht genug.

Problem-Kosmos abb71

Abbildung 71: Das gesamte Dasein ist ein Problem: Es hat einen negativen Anfangszustand und einen positiven Endzustand. Dazwischen liegen die unendlichen Lösungsschritte – immer polar gespiegelt. Sind alle Probleme gelöst, ist das Dasein wieder im Bewusstsein aufgelöst.

 

Beispiel 1: Hunger nach Nahrung

Empfinden viele Menschen über längere Zeit in der Magenregion das Gefühl: Ich habe nicht genug zu essen, bedeutet das allgemein in der entsprechenden Umwelt-Region eine erlebte Hungersnot. Diese Hungersnot hat – logisch betrachtet – konkrete Formen: Es kann sein, dass eine Dürre, eine Überschwemmung, ein Krieg herrschen. Bislang beseitigte der Mensch diese äußeren problemhaften Erscheinungsformen mittels Handeln, wobei es zu einer Verbesserung des Hungergefühls des einzelnen kam.

Sie bewässerten bei Dürre die Felder, entwässerten sie bei Überschwemmung, wandelten Krieg in Frieden um. Sie verwandelten den negativen Zustand im AUSSEN in seinen entgegengesetzten Pol, um eine Verbesserung und Lösung des allgemeinen und der vielen individuellen Probleme zu erzielen. Dabei wird das Gegenteil von der negativen Erscheinung solange angewandt, bis der ehemals negative Zustand ausgeglichen und gut ist.

Es ist genauso möglich, das negative Gefühl seines Hungers durch gedankliche Übungen auszugleichen. Auch hier behandelt man die negativen Erscheinungen mit positiven solange, bis das empfundene Problem ausgelöscht ist. Statt äußerer Handlung finden hier innere Gedankenanwendungen statt, die auf die negativen Gefühle positivierend und somit auflösend wirken. Dabei benutzt man das Prinzip der antagonistisch wirkenden Hormone und Neurotransmitter. Es ist bewiesen, dass derartig trainierte Menschen über lange Zeit, sogar lebenslang mit sehr wenig fester Nahrung auskommen können, ohne dass ihnen körperlicher Schaden zuteil wird. In den Industrieländern wächst mittlerweile ein neues Ernährungs-Bewusstsein, das auf weniger Masse und mehr Klasse abzielt.

Achtung: Zu Beginn jeder individuellen und allgemeinen Problemlösung und Auslöschung sind immer beide Wege zu gehen. So ist es zum Beispiel in einer Hungerregion wie Äthiopien NATÜRLICH nicht möglich, die Menschen NUR zu lehren, auf das Essen zu verzichten. In den Regionen, wo zu üppig gegessen wird, wie in den Industriestaaten, ist hingegen eine verstärkte Übung der Selbstkontrolle, der Selbstbeherrschung und des Selbstbewusstseins über körperliche Funktionsweisen im starken Maße erforderlich. Das stoppt zum einen die Hungersnot der Welt und zum anderen die Verschwendung von Nahrungsmitteln.

Beispiel 2: Hunger nach Geld

Seit der Einführung des Geldes als Tauschmittel für Güter des täglichen Bedarfs hat sich die Entwicklung der sogenannten menschlichen Kultur und Zivilisation rasant verschnellert. Wobei die Verschnellerung exponentiell anwuchs. Das hat folgende Ursache innerer und äußerer Verschränkung:

Das menschlich empfundene Gefühl, nicht genug zu haben, war zunächst zu Beginn der Menschheit vor tausenden von Jahren in Afrika relativ individueller Natur. Der eine hatte mehr Hunger nach Fisch, der andere mehr nach Korn, der nächste mehr nach Wissen, ein anderer mehr nach handwerklichem Können.

Der einzelne Hunger nach mehr Fisch brachte es spiegelbildlich mit sich, dass nicht genug Fisch da war. So konnten die Menschen mit ihrem Hunger nach mehr Wissen und Können ihr zugenommenes Wissen und Können anwenden. Es entstanden Fischfangutensilien, es entstand die Spezialisierung des Fischfangs, es bildete sich der Beruf Fischer heraus. Diese Spezialisierung geschah auf vielen Gebieten des menschlichen Hungerns (nicht genug Habens). Die Schicht der Handwerker war erschaffen. Der Rhythmus des Lebens ermöglichte dabei eine relativ gesehen kurzzeitige Überfülle von Fisch, Fleisch, Kleidung, Fellen, Gold, Schmuck, Tüchern etc. Es entwickelte sich der Spezialist Händler, der auf Wanderschaft gehen musste, um seine Ware in die Welt zu bringen und dort gegen andere dortige Waren zu tauschen.

Die Menschen konnten nun ihren einfachen Hunger nach Nahrung noch mehr individualisieren und spezialisieren, so wuchs der Hunger nach Kaffee, nach exotischen Gewürzen, nach allem Möglichen, das die Händler herbeischafften aus den fernen Regionen. Aus diesem individuellen Hunger nach allem Möglichen aus ferneren Regionen war das allgemeine Problem erwachsen, dass nicht genug aus fernen Regionen da war. Um den überregionalen Handel zu organisieren, der jetzt selbst vielfache Spezialisierung erforderte, war eine übergeordnete Instanz zu bilden. So entstand das allgemeine Staatswesen mit seinen Unter-Instanzen Handel, Verkehr, Militär usw. Die Führer der Menschenhorde bereicherten sich jetzt mit zunehmender Macht, die sie mittels Waffen und Personal ausübten – im Sinne der Horde, versteht sich. Aber vor allem natürlich im eigenen Sinne.

Die Erfindung des Tauschmittels, das sich später Geld nannte, war eine aus diesem allgemeinen Problem des Nichtgenughabens herausgebildete Lösungsmöglichkeit. Der Händler musste nun nicht mehr alle möglichen Waren mit sich tragen, um aus dem Ausland Waren zu beschaffen. Es genügte das allgemein anerkannte Tauschmittel Geld.

Nun passierte aber folgendes: Auch der einzelne Mensch erkannte, dass ihm Geld die Möglichkeit eröffnete, alles Mögliche dafür eintauschen zu können, seinen individuellen Hunger nach mehr und noch mehr und viel mehr zu stillen. So wuchs schon recht bald das allgemeine Problem heran, dass es nicht genug Geld für alle gab. Schon ohne Geld kämpften die Menschen um mehr Boden, mehr Fisch, bessere Jagdgebiete. Der Stärkere und bessere siegte, er bekam die meiste Beute, das meiste Geld, er konnte dann auch den Tauschwert des Geldes bestimmen. Damit war die konvertierbare Währung erschaffen und der Geldhandel mittels Bankwesen trat in Erscheinung.

Die Welt im 20. und 21. Jahrhundert zeigte nun folgendes Spiegelbild: Von jeder Form von Geld ist einfach nicht genug da, um damit den gewachsenen Hunger der gewachsenen Bevölkerung – individuell mehr oder weniger reich – zu stillen. Damit die Herrschenden aber weiterhin herrschen konnten, waren Vereinheitlichungen nötig, zum Beispiel der Währung, des Militärs, von/der Wirtschaftunternehmen und poltischen Systemen. Die zeitliche Reihenfolge der Zusammenlegung der einzelnen Kategorien spielt hier nur eine untergeordnete Rolle.

Welches Bild spiegelt sich zum Beispiel in Europa wider seit der Zusammenlegung aller Währungen zu einer Währung, einem einzigen Tauschmittel, dem Euro? Die individuelle Angst, nicht genug Geld und Tauschmittel für Lebensmittel aller Art zu haben, die bislang fast nur die Währung im eigenen Land betraf, bündelte sich europaweit und zunehmend auch weltweit nun auf den Euro. Es ist entsprechend der Theorie kein Wunder, dass die Geldhäuser, die den Euro als Tauschmittel beherrschen, durch den allgemein angewachsenen Problemspiegel, dass nicht genug Euro da sind, relativ kräftig ins Schleudern kamen. Und noch weiterhin schleudern. Die politischen Maßnahmen, europäische Rettungspakete, Transport des Geldes aus den Staatskassen in die Bankkassen, lösen dieses Problem keinesfalls, beschleunigen und vergrößern es vielmehr.

Leere und Fülle abb72

Abbildung 72: Noch unterliegen die meisten Menschen dem Irrtum, sie könnten ihren Hunger nur mit Ansammlung von immer mehr äußerem Reichtum stillen. Gleichzeitig aber wissen auch sehr viele Menschen, dass das nicht stimmt. Wie kann man dieses Hamsterrad aufhalten?

 

Die obersten Träger der Geldmacht, die über ein ungeheures Geldvermögen herrschen, verfallen immer mehr der Angst, dass sie das Problem NICHT beherrscht bekommen. Das wiederum spiegelt sich – entsprechend der Theorie – schneller und schneller in unbeherrschbaren Prozessen der überdimensionalen Geldvernichtung in qualitativer und quantitativer Form wieder. Der niedrig gehaltene Zins durch Zentralbanken lässt das Sparvermögen schmelzen. Die Geldarmut wird europaweit immer schneller immer akuter, sowohl bei jedem einzelnen Bürger als in den Kommunen, Ländern als in der ganzen europäischen Gemeinschaft. Da die Geldsysteme international stark vernetzt sind, trudeln mittlerweile alle weltweiten historisch gewachsenen Geldmächte ins Chaos.

Ich nenne dieses Chaos „Brechen der Welle, die keine Spannung mehr hat“. Parallel dazu bricht der alte verkrustete, morsche Geldwertbaum. Die bislang materiellen Geldverwaltungseinheiten wie Banken, Versicherungen, Geldhäuser aller Art, brechen zusammen oder auseinander. Das führt parallel zu einem Zusammenbruch alter gewachsener Wirtschaftsunternehmen weltweit, da Geld- und Wirtschaftssysteme von Anfang an eng verflochten sind. Was ebenso für politische Strukturen gilt. Das ist weltweit schon gut zu beobachten. Ebenfalls an Wert verlieren alle traditionellen Werte einfach aus den umwelterschaffenen Angstgedanken, dass die alten Werte ihren Wert verlieren könnten. 

In Amerika und Japan herrschen zurzeit dieselben chaotischen Geldprozesse. Die zunehmende internationale Angst der bisherigen alten Geldmächte, es nicht zu schaffen, das alte Geldsystem wieder in ein ordentliches ruhiges altes Fahrwasser zu bekommen, spiegelt sich automatisch in einer weltweiten Geldkatastrophe bisher ungeahnten Ausmaßes wider. Noch glauben die alten Geldbeherrscher, dass eine einheitliche Weltwährung dieses Problem lösen könnte. Auf diese weltweite Geldvereinheitlichung wird hinter den Machtkulissen enorm stark hingearbeitet. Die dadurch erzeugte konkrete Angst, es weltweit nicht zu schaffen, wenn man dieses Projekt nicht schnell genug durchsetzt, wird sich energetisch in der erlebten und wahrgenommenen Welt darin spiegeln, dass man es nicht schnell genug schafft. Die alte Geldherrschaft vernichtet sich somit selbst schneller als geahnt.

So ein gewaltiger Zusammenbruch alter Strukturen führt natürlich zu einer enormen Erschütterung aller mit Geld verbundenen Systeme, im Grunde mit allen Errungenschaften der Zivilisation. Es wird zu vermehrten Ausfällen von Strom und Wasser kommen, Nahrungslieferketten werden zerbrechen, genauso wie die meisten Handelsketten aller möglichen Güter. Produktionen erliegen, es wird kein Lohn und Gehalt ausgezahlt, es gibt keine oder zu wenig Nahrungsmittel, die Menschen verzweifeln und rasen vor Angst.

Aus der Geschichte und auch aus heutigen revolutionären Erscheinungsformen in den Ländern, wo es schon vielfache Proteste gegen die sogenannte Geldsparpolitik gibt, wissen wir, dass die rasende Menge zu einer gewaltigen Kraft fähig ist und ganze politische und wirtschaftliche Herrschaftssysteme überrollen und vernichten kann. Wir können alle gespannt sein auf die kommenden chaotischen gewaltigen, sicher auch sehr blutigen Umbruchzeiten, die die ganze ALTE Welt erfassen wird.

Gibt es zu diesem Horrorszenario eine Alternative? Vielleicht. Je mehr Menschen ihre Angst, nicht genug Geld zu haben, beherrschen lernen, desto mehr verschwindet das spiegelnde Außenbild von allein. Erst für sie selbst, dann für ihre weitere Umwelt. Wenn sich Menschen mit quantitativ immer weniger Geld qualitativ immer reicher fühlen, lösen sich auch die äußeren materiell wahrnehmbaren Erscheinungsformen auf, die sich bildeten, als die Menschen immer mehr Angst bekamen, nicht genug Geld zu haben.

Das bedeutet, Geldmachthäuser und Wirtschaftsmachthäuser und Politikmachthäuser verschwinden nach und nach, aber nicht in chaotischer Weise, sondern für alle befriedigend. Dass das so kommen wird, wenn die Menschen die volle Verantwortung für ihr Leben und Erleben in dieser Form selbst übernehmen, kann ich mit Sicherheit sagen. Was sich parallel aber konkret für neue Systeme bilden, kann ich nicht sagen. Die Zukunft ist offen für alles Mögliche und heute noch scheinbar Unmögliche.

Übrigens: Die zunehmende Verkürzung der Zeit und die zunehmende Wertlosigkeit von Geld sind eine untrennbare Einheit, was die heutige exponentielle Zunahme der Baukosten vor allem bei Großprojekten innerhalb kürzester Zeit bedingt und erklärt. Hinzu kommt das scheinbare Paradoxon, dass trotz höherer Baukosten die Qualität der Arbeitsergebnisse immer geringer wird. Die Pyramiden halten noch nach tausenden von Jahren trotz Hitze und Wüste.

Warum ich alles und nichts weiß

Neben meiner von Verwandten und Bekanntenkreisen zugeschriebenen Eigenschaft einer Chaotin und Verrückten sind Fachleute im Gespräch mit mir immer der Ansicht, dass ich ein Halbwissen hätte, in ihren Augen somit mehr oder weniger ungebildet sei. Diese Fachleute liegen durchaus richtig, wenn sie IHR Fachgebiet als das alleinige Wissen der Welt betrachten.

Bei den Gesprächen werde ich mit schlagenden Detail-Argumenten bombardiert, denen ich nichts Gleichwertiges auf dem jeweiligen Gebiet entgegensetzen kann. Diese Argumente bestehen aus Fachbegriffen, dem sogenannten Fachjargon, dass jedes Fachgebiet von einem anderen Fachgebiet abtrennt, wobei die einzelnen Fachbegriffe von jedem Fachmann noch individuell definiert sind. Wegen dieser individuellen Definition von Begriffen gibt es schon unter Fachleuten desselben Gebietes viel Streiterei. Oftmals brachen die Fachleute das Gespräch mit mir auch ab, weil ich ihnen zu „trivial“ erschien: „So einfach könne man sich doch die komplexe Welt nicht denken!“

Ich bin aber keine Wissenschaftlerin EINES bestimmten Fachgebietes mit dem dort üblichen entsprechenden Vokabular. Ich bin Wissenschaftlerin des ALLGEMEINEN. „Allgemein“ als EIN eigenständiges Fachgebiet gibt es noch gar nicht. Früher gehörte zur Allgemeinbildung aller gebildeten Menschen das Wissen der Sieben Freien Künste mit einem einheitlichen Vokabular. So war eine Verständigung der gebildeten Menschen sogar weltweit untereinander noch sehr gut möglich. Heute besteht sogenanntes Allgemeinwissen aus einem willkürlich zusammengetragenen Sammelsurium von Wissensteilen, wobei jedes Land, jedes Volk, sogar jede Schule andere Wissensbestandteile den Schülern vorsetzt. Auch wird heute viel mehr stark differenziertes Fachwissen verlangt als Allgemeinbildung. So kommt es schließlich zur Heranbildung von Fach-„Idioten“ und einem ansonsten allgemeinen niedrigen Bildungsniveau. 

Ich schlage hiermit die weltweite Einführung eines Fachgebietes Allgemeinbildung vor. Auch in diesem Fachgebiet, das allen Fachgebieten fundamental zugrunde liegt, muss es ein eigenes Vokabular geben, ein fundamentales. Es fiel mir für meine Bücher schwer, ein Vokabular zu finden, dass eine für alle Fachleute akzeptable Verständigung ermöglicht. Weil, das erwähnte ich schon, jeder in seinem Fachgebiet zwar dasselbe Problem hat, es aber anders benennt und inhaltlich aus einer eigenen differenzierten Sicht betrachtet. Wenn dieses Fachgebiet Allgemeinbildung allgemeine Anerkennung bekommt, dann ist ein weltumfassend vereinheitlichendes Vokabular nötig für die fundamentalen Erkenntnisse, die Einfluss ausüben auf die spezifischen, aus dem Fundament des Allwissens sich heraus differenzierten Fachrichtungen.

So kann der Turmbau zu Babel dann doch gelingen, indem man ihn nicht nur in die Höhe und vielfach differenziert baut, sondern zunächst in seiner Tiefe EIN ordentliches und festes Fundament legt.

Abriss der Geschichte des Messwesens

Der universelle Drang zum fortlaufenden Differenzieren und gleichzeitigen Verbinden setzt sich auch in der Spezies Mensch fort. Zunächst verzweigte sich der Menschheitsbaum und die Menschen zogen aus ihrem Stammgebiet in Afrika vor einigen hunderttausend Jahren in die weite Welt hinein, stritten, trennten und verehelichten sich, was das Zeug hält. Angefangen bei wenigen hundert oder tausend Erste-Menschen-Exemplaren leben heute auf der Erde stattliche 7.000.000.000 Menschen.

Doch auch der Mensch als Schöpfer musste gezwungener Maßen das allem inneliegende Prinzip der Schöpfung – teile und verbinde – anwenden und durchsetzen. Mit zunehmender Teilung geschehen diese auch in schnellerer Folge. Was demzufolge auch für die parallel verlaufenden Verbindungen zutrifft. 

Das Menschsein ist geprägt durch eigenen selbstbewussten Willen, was dazu führt, dass er nicht mehr wie ein Tier in vollem Glauben und Vertrauen zur Allmacht lebt. Misstrauen und Kontrolle, abmessen, nachmessen, abwiegen, abwägen und richten gehören zum menschlichen Leben dazu. Lassen wir dazu einen schnellen Blick des Messwesens von der Vergangenheit bis zur Gegenwart schweifen.

Die Geschichte des Messwesens entnahm ich dem „Kleinen Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte und der Zeitrechnung“i von Wolfgang Trapp. Einstmals vor tausenden von Jahren stellten die Menschen fest, dass sie ein Maß benötigen, um damit zu messen. Sie mussten Länge und Breite von Balken messen für ein Haus, das sie bauen wollten, um sich vor dem Wetter und den Blicken der Nachbarn zu schützen. Sie mussten das Korn und das Öl messen, das sie verkaufen wollten. Einstmals vor tausenden von Jahren hatte jede Familie, jede Gemeinde, jedes Königreich eigene Maße, es gab so viele unterschiedliche Maße, dass im Handel und Wandel reines Chaos, reine Willkür, nur keine Gerechtigkeit herrschten, weil kein richtiges, für alle gleichermaßen geltendes Maß da war.

altes Fuß maß abb73

Abbildung 73: Körperteile waren einst wegen ihrer ähnlichen Abmessung von Mensch zu Mensch praktische Messeinheiten, wenn auch nicht sehr genau. Dafür hatte man sie immer dabei.

 

Mit der Zunahme der menschlichen Ordnung in Form von Staat und Gesetz erfuhr auch das Maß- und Messwesen eine Vereinheitlichung, eine vom Menschen erschaffene ordentliche Struktur, nach der sich immer mehr Menschen der Welt richteten. Anfänglich galt noch EIN Maß für viele Messgüter. Der Begriff „As“ war bei den Römern ursprünglich jedes Ganze, ob Münz-, Maß-, Gewichts- oder Zins-, Erbschafts- oder andere Rechnungsverhältnisse betreffend. Es dauerte noch einige hundert Jahre, bis die Weltwirtschaft eine wirtschaftlich zwingend notwendige globale Vereinheitlichung des Maß- und Messwesens gegen kleinstaatliche politische Herrscherinteressen durchsetzen konnte. Als Fundament aller heutigen Maßsysteme einigte man sich auf das Längenmaß. 1791 legte der französische Nationalkonvent das Meter als gesetzliche Längeneinheit fest und bestimmte daraus abgeleitete Einheiten: „…das Ar als Flächeneinheit bei Flurstücke gleich einem Quadrat von der Seitenlänge 10 m; das Ster als Raummaß für geschichtetes Brennholz gleich 1 dm3; das Liter als Volumeneinheit für Flüssigkeiten und Schüttstoffe gleich 1 dm3; das Gramm als Masseeinheit gleich der Masse von 1 cm3 reinen Wassers bei der Temperatur des Eispunktes. Die Einheiten werden dezimal unterteilt und vervielfacht.“ Ganz langsam setzte sich dieses metrische System international durch. Am 8. August 1870 trat die Internationale Meterkonvention zum ersten Mal zusammen, die damals aus 14 europäischen und 8 amerikanischen Staaten bestand. Es dauerte noch eine Weile und viele Konferenzen waren nötig, um ein wirklich weltweit geltendes einheitliches Mess- und Maßsystem Wirklichkeit werden zu lassen. 

Schwierig erwies sich auch die Vereinheitlichung des Zahlen- und Ziffern- und Rechnungssystems. Allerdings war weltweit ein Tier immer ein Tier, wenn die ersten Menschen weltweit zum Beispiel den Bestand ihrer Herden zählten. Ein Tier und ein Tier ergaben zusammen weltweit und von Ort zu Ort gleichermaßen immer zwei Tiere. Schon vor 5.000 Jahren hatten die Ägypter ein logisch aufgebautes Additionssystem. Lange Zeit rechneten die Menschen ohne die Null, die erst vor einigen Jahrhunderten eine international mathematisch größere Rolle zu spielen begann und damit umwälzend revolutionär viele Rechenvorgänge erleichterte. Im täglichen Gebrauch wird heute fast überall das Zehnersystem bevorzugt, in der technisch angewandten Mathematik spielt das Zweier- oder Dual- bzw. Binärsystem die dominante Rolle, denn ein Computer kann nur eine Ja/Nein-, An/Aus-Entscheidung treffen.

Nicht ganz so chaotisch und langwierig wie die Vereinheitlichung des Mess- und Maßwesens war die internationale Zeiteinteilung, da die Menschen sich schon immer nach Sonne-, Mond- und Jahresrhythmen richteten. Das chaotische Problem war nur, dass auch diese Rhythmen weltweit nicht gleich sind und schon gar nicht exakt erfassbar waren. Bis zu einem weltweit gleichermaßen geltenden Kalender und Uhrzeitsystem dauerte es auch seine Jahrtausende. Schwierig war es, die Unterschiede zwischen den relativen Vorgaben der Naturmaße und Rhythmen und den strengen Richtlinien der wirtschaftlichen Erfordernisse an Genauigkeit auszugleichen.

Die Erfindung der Uhr und damit der technisch tickenden Uhrzeit war nicht nur eine technische Errungenschaft, sie bedeutete ein Zeit-Gleichmaß, nach der sich die ganze Welt nun richten konnte. Oder musste. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte jeder Ort seine eigene Ortszeit. Von da an galt per internationaler Einigung eine gesetzliche Zeit mit gesetzlich festgelegten Zeitzonen, wobei die technisch exakte Steuerung der weltweiten Uhrensysteme noch lange ein Problem war. (Soweit die kurze zusammenfassende allgemeine Darlegung aus dem oben genannten Buch vom Messen.)

Die Globalisierung der Weltwirtschaft machte mit der Vereinheitlichung des Mess- und Maßwesens, des Rechnungswesens und der Zeiteinteilung riesige Fortsprünge. Eine Vereinheitlichung des Geldwesens und Zahlungsverkehrs musste dem folgen. Noch gilt der Dollar als Weltwährung, bekam aber mit dem Euro, der vereinheitlichten europäischen Währung, starke Konkurrenz, und es könnte sein, dass sich die chinesische Währung, die mit dem russischen Rubel kooperiert, schon bald einen starken internationalen Platz erobert. Eine einheitliche Weltwährung wäre für die global agierenden Wirtschaftsplayer von großem Vorteil.

Zwar sind weltweit viele Maße vereinheitlicht, das heißt aber nicht, dass es nun weniger davon gibt. Dank fortschreitender Forschung und Entwicklung kommen immer neue Einheiten aus den sich neu differenzierten Fachrichtungen hinzu. Eine Übersicht über alle existierenden Maße und Messzahlen in allen Forschungsbereichen hat kein einzelner Mensch mehr – so komplex und kompliziert, fast wieder chaotisch,  ist das moderne Messwesen geworden.

Die internationale Vereinheitlichung des Messwesens hat weitere Nachteile. Mit zunehmender handwerklicher und geistiger Kunst nahm die Arbeitsteilung zu. Es kam zu einer Teilung der Menschheit in Völker und Staaten, in Gottgläubige, Allahgläubige und Ungläubige, in Arbeiter, Angestellte, Vertreter, Händler, Manager, Politiker, die alle für sich wieder in speziellen Vereinigungen kommunizieren. Eine ganz große polare Teilung ist aktuell deutlich erkennbar:  Die derzeitigen Herrschafts- und Machtsysteme wirtschaftlicher und damit verflochten politischer Art ermöglichen es wenigen Menschen, über viele Menschen zu herrschen und diese zu zwingen, nach ihren Regeln zu leben und zu arbeiten.

Das führt ganz offensichtlich zu einer immer weiter spreizenden Schere zwischen wenigen supersupersuperreichen Menschen und vielen sehr, sehr, sehr armen Menschen. Der derzeit lebende fast reichste Mann der Welt, der Amerikaner Warren Buffet, sagte einmal in einem Interview der New York Times: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt und wir gewinnen.“ii

Während auf der einen Seite globale Vereinheitlichungen stattfinden, finden gleichzeitig auf der anderen Seite globale Trennungen statt. Das Leben der Menschen heute ist hochkomplex fraktal-hierarchisch strukturiert. Allerbeste Voraussetzung für einen großen Sprung der Selbsterkenntnis und eine Rebellion gegen das unbewusste Denken, was die alten morschen Strukturen sprengt. 

Das fundamentale Problem des Messwesens ist aber ein ganz anderes. Im Zitat des Physikers Tony Rothmann war es schon erwähnt. Es gibt keine wirkliche Messgenauigkeit, die einem wissenschaftlichen Anspruch genügt. Im Alltag nehmen es die Menschen nicht so genau. Beim Fleischer darf es ruhig ein paar Gramm mehr sein. Verspätet sich der Zug nur um zwei Minuten, sind die Reisenden fast glücklich. Einige Cent Preiserhöhung bekommen wir kaum mit bei Waren des täglichen Bedarfs. Und beim Wiegen unseres eigenen Gewichtes schummeln wir sogar absichtlich.

Wissenschaftler nehmen das Messen exakter und viel genauer. Doch je kleiner die zu messenden Teile werden, desto feiner müssen die Messgeräte sein. Sind die Objekte besonders groß und weit weg, wie die Sterne und Galaxien im Kosmos, dann müssen die Messgeräte ebenfalls riesengroß sein.  Das Grundproblem des Messens besteht nun darin, dass außer dem NICHTS ansonsten ALLES ständig in Bewegung und Veränderung ist. Somit kann in den allerkleinsten und auch allergrößten Messbereichen das wahre Messergebnis zwar ziemlich exakt vorhergesagt, aber dann doch nicht mehr so exakt gemessen werden, da sowohl die zu messende Einheit und das Messgerät als auch der das Messen vornehmende Mensch sowohl selbst in Veränderung stehen, als sich gegenseitig energetisch beeinflussen.

Das bedeutet – und da müssen die Physiker mal ganz ehrlich sein – bei der Messung des Higgs-Bosons, dass sie es niemals wirklich finden können, sondern nur wahrscheinlich. Wahrscheinlichkeit mit 99,99 Prozent Sicherheit genügen für viele Prozesse im Alltag und sogar in der Technik. Der Direktor des CERN, Rolf-Dieter Heuer, verkündete 2012 nach dem fast erfolgreichen Experiment auf der Suche nach dem massehaltigen Teilchen: „Für Laien gelte das Higgs als gefunden.“ Doch für die wissenschaftliche Wahrheit genügen selbst 99,9999 Prozent nicht. Ein bisschen schwanger gibt es nicht.

i Trapp, Wolfgang: „Kleinen Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte und der Zeitrechnung“, Philipp Reclam jun. GmbH & Co, Stuttgart, 1992, 1998

 

ii Wikipedia: Warren Buffet, Version 7.9.2013, 19.10 Uhr

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