Apotheose bedeutet Gottwerdung des Menschen

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Seit alters her versuchen die Menschen Gott entweder ansichtig zu werden, siehe Turmbau zu Babel, einen Beweis für sein Dasein zu erhalten oder sogar gottgleich zu sein. Zu letzteren gehören die ägyptischen Pharaonen, die römischen Cäsaren, die Diven der Bühne, die Götter in Weiß und die Alchemisten, die ein Mittel für die Gottwerdung zusammenbrauen wollten. Dieser Wunsch und Wille, göttlich zu werden und zu sein, wird Apotheose genannt. Um die Apotheose Wirklichkeit werden zu lassen, muss der Mensch das Begreifen begreifen.

Die moderne Wissenschaft ist sich inzwischen einig, dass alle Bewegung Information darstellt. Information ist eine Mitteilung von einem zum anderen, um etwas zu bewirken. Mitteilungen erfolgen über Austausch von energiegeladenen Teilchen. So teilen sich zwei Atome ein oder mehrere Elektronen und verschmelzen dadurch zu  einem Molekül. Chemische Reaktionen in Stoffen bestehen aus dem Austausch von Ionen, Atomen und Molekülen. Ein biologischer Organismus ist ohne Information gar nicht denkbar. Hier sprechen die Biologen im kleineren Maßstab von Zellkommunikation, im größeren Maßstab wird der Austausch von energiegeladenen Teilchen zum Beispiel Atmung und Stoffwechsel genannt. Zwei liebende Menschen vereinen sich in einer Ehe und bilden durch Teilung eine Familie. Eine Kommune ist ein pulsierender Organismus.

Kommunikationswissenschaftler begreifen das gesamte Universum mittlerweile ebenso als einen kommunikativen Prozess. Jede Bewegungsform ist eine Art Sprache. Der eine „spricht“ die Sprache, der andere, an den die Mitteilung gerichtet ist, „versteht“, „begreift“ sie. Konsequenterweise sage ich, dass die Bildung eines Moleküls durch die Verbindung zweier Atome mittels Elektron eine Form von Begreifen darstellt. Wenn wir die Gebilde des Daseins als materialisiertes Erkennen und Begreifen verstehen, haben wir eine Chance, die Welt nach unserem Willen rein gedanklich zu formen.  

Der gesamte universelle Prozess von Erkennen und Kommunizieren ist nach meiner Theorie die Ursache für die Bildung von dem, was wir bisher als Materie und Energie erkennen und benennen. Jedes Einzelteil des Universums, ob riesengroß als Galaxie oder winzig klein als Atom oder Boson, ist ein Begriff. Das hochkomplexe Erkenntnis-, Denk- und Begreiforgan des Menschen, sein Gehirn, ist entstanden und gebunden an die natürliche Entwicklung der universal wirkenden Erkenntnis, der universal wirkenden Information und der universal wirkenden Kommunikation. Der Mensch mit allen seinen Organen ist eine Konsequenz aus zeiträumlicher kommunikativer Entwicklung.

Auch beim menschlichen Begreifvorgang findet Materiebildung über synaptische Verbindung der Neuronen statt. Höherkomplexe Information findet als Stoffwechsel über Austausch von Teilchenkomplexen statt. Alles ist ein hierarchischer Prozess. Im Organismus hat dieser Stoffwechsel eine hohe Strukturiertheit und Komplexität, aber auch eine gut organisierte Arbeitsteilung. Das Herz ist für den Blutaustausch zuständig, die Lunge für den Luftaustausch, der organische Nahrungsstoffwechsel beginnt beim Mund und endet am After, dazwischen liegen viele wichtige Organe, die für sich ebenfalls Stoffwechselvorgänge vornehmen. Alle Vorgänge sind energiegeladen. Energetische Signale in organischen gebündelten Nerven tauschen im Menschen Informationen aus. Das Gehirn selbst ist dabei wie der restliche Körper sowohl eine organische Einheit, als auch unterteilt in viele Unterorgane, die alle für sich energetischen Stoffwechsel betreiben. Es gibt eine strenge Aufgaben- und Arbeitsteilung zwischen der Amygdala, der Hypophyse, dem Hypothalamus mit jeweils unterschiedlichen Informationen, genauso, wie jedes Gehirnareal, bis hin zu jeder einzelnen der 100 Milliarden Nervenzellen individuell agiert. Es ist ein Gewusel an energetischen Informationsaustauschprozessen, in der der Mensch erst so ganz langsam eine begreifbare Ordnung findet. Dass sie da sein muss, ist klar. Aber das WIE und WARUM scheint den Wissenschaftlern insgesamt noch ein Rätsel.

Da ist ihnen jeder Galeriebesucher weit voraus. Ein Galeriebesucher sieht sich ein Bild an und erkennt, was da gemalt wurde, wenn es nicht zu abstrakt gemalt ist, ganz einfach umfassend mit einem Blick. „Liegende Madonna“ oder „Weizenfeld“.  Selbst wenn er die menschlichen Worte „Madonna“, „liegend“, „Weizen“ und „Feld“ gar nicht kennt, erkennt er, was da auf dem Bild zu sehen ist. Er begreift sozusagen zunächst scheinbar OHNE Worte und einzelne, differenzierte Begriffe.

Die menschliche verbale Sprache hat denselben Aufbau wie das Universum. So, wie die Physik zu der Ansicht kam, dass das gesamte ALLES aus einem einzigen zusammengeballten Energiebündel, der sogenannten Singularität heraus knallte, so differenziert sich Sprache ebenfalls aus einem einzigen singulären Oberbegriff. Dieser Oberbegriff ist das „Vor-BILD“ von allem. Das Big Picture. Der Galeriebesucher erkennt und begreift das BILD vom Weizenfeld, ohne die wörtlichen Begriffe „Weizen“ und „Feld“ zu kennen, weil das Denken zuunterst, zuerst mit Hell-Dunkel und Innen-Außen beginnt, dann mit differenzierter Farbstrahlung, die hierarchische Innen-Außen-Komplexe bildet.

Unser Gehirn ist in große und kleine Komplexe eingeteilt. Komplexe für Sprache, für Musik, für Gesichtserkennung, für das Sehen, das Hören, für Bewegung allgemein und speziell. Für alle kleinen und großen Daseins-Komplexe gibt es ein spiegelndes materialisiertes Abbild in uns. Nur so ist zu erklären, dass ein Mensch fünf Striche und einen Kreis als Menschen, einen Kreis mit zwei Punkten und einem Strich als Gesicht erkennen, dass er drei Punkte zu einer Linie verbinden, aus vier Winkeln ein Viereck bilden kann. Abb.66

Erkennen Sie es auch abb66

Abbildung 66: Nicht unser Auge, sondern unser Gehirn hält Vorbilder bereit, mittels derer wir erkennen, was eigentlich gar nicht da ist.

 

Der Wissenschaftler ist anders als der Galeriebesucher. Auch er erkennt das Weizenfeld zunächst bildhaft und allgemein. Aber das ist ihm keine Wissenschaft.  Er will mehr wissen. Sein Blick begrenzt sich auf Details, er wird enger. Er erkennt den einzelnen Weizenhalm, das einzelne Weizenkorn, er sieht im Weizenfeld auf einmal viele Insekten herumkrabbeln, er erkennt Erde und Erdkrumen, er verengt seinen Blick weiter und untersucht die chemischen Prozesse im Weizenkorn. Weitere Verengung des Blickfeldes führt ihn hinein in die Atome, aus denen ein Weizenkorn schließlich auch besteht, und dann will der Wissenschaftler auch noch wissen, wie so ein Atom funktioniert und verengt seinen Blick noch einmal mehr. Jetzt ist wohl klar, dass er bei so einem total engen Blick das gesamte Weizenfeld nicht mehr erkennen kann.

Andere Wissenschaftler weiten ihren Blick aus. Sie sehen den Himmel über dem Weizenfeld und dringen nun weiter und weiter und weiter in den himmlischen Kosmos ein. Auch diese Wissenschaftler verlieren schon bald das winzige Weizenfeld aus ihrem kosmisch weiten Blickfeld. Kommt nun ein normaler Galeriebesucher und sagt, dass er ein Weizenfeld sieht, dann sagen die Wissenschaftler, dass diese Sicht nicht wissenschaftlich sei.

Die Gehirnforscher sind noch übler dran. Sie stehen einer grauen gefalteten Masse gegenüber, in der sie mittels modernster Technik unendlich viele flimmernde, energetische Verbindungen messen. Aber wenn sie diese Masse auseinanderschneiden, um in der tiefsten Tiefe nachzusehen, wie es da drin aussieht, dann flimmert nichts mehr, dann ist das energetische Bild verloschen.  Moderne Messverfahren ermöglichen schon gute Innenbilder, doch wie schon die Physiker sind auch die Gehirnforscher dem Problem ausgesetzt, dass sie entweder nur den Prozess der gedanklichen Bewegung oder nur seine materielle Struktur messen können. Beides zusammen ist nicht möglich. Wenn aber ein Gehirnbesitzer kommt und sagt, ich weiß, wie es bei mir im Gehirn flimmert, weil ich das von innen betrachten kann, dann sagen die Wissenschaftler, das sei keine wissenschaftliche Sicht.

Die moderne Wissenschaft ist ein gutes Spiegelbild dafür, wie Kommunikation und Sprache und Begreifen funktionieren. Es beginnt beim Bild von Allem in Einem. Das Weizenfeld wäre so ein Bild von „Allem in Einem“, denn ausgehend von diesem Weizenfeld kann der suchende, forschende, fragende Blick in die Tiefe und Weite des gesamten Daseins vordringen. Von jedem x-beliebigen Standpunkt aus ist dieses Forschen und Sehen und Fragen her möglich. In die unterschiedlichsten Richtungen der Nähe und Ferne. Der Mensch ist Bestandteil des Gesamt-Kommunikationsprozesses des Universums. Das gilt es bei seinen Forschungen ebenfalls zu begreifen. Wenn das Gehirn untersucht wird, so genügt es eben nicht, die funkelnden und funkenden Neuronenverknüpfungen zu messen. Damit allein ist das Denken, das Begreifen, das Erkennen nicht zu begreifen. Damit auch, aber eben nicht allein. Ein Blick auf das innere Ganze erst ermöglicht das Erkennen des Gesamtzusammenhanges. Das, was nicht blinkt, gehört ebenso zum Gesamtbild. Das Gehirn arbeitet rational. Es ergänzt nur Veränderungen des Gesamtbildes und nur diese Veränderungen blinken.

Was nun hat dieser kleine Exkurs in die Sprache, Kommunikation und das Begreifen mit Apotheose zu tun? Aus der Bibel wissen wir von der wirkenden schöpferischen Kraft des ersten Gotteswortes. In dem Weltbestseller von Dan Brown „Das verlorene Symbol“  ist zu erfahren, dass das verlorene Wort, in dem sich offenbar alle Geheimnisse der Welt bündeln, ein ganz einfaches Bild ist, ein Kreis mit einem Punkt darin, Circumpunkt genannt. 

Das Ur-Wort war nicht und zugleich doch auch menschlicher Natur. Das Ur-Wort steckt im menschlichen Begreifprozess als Ausgangsbegriff drin. Der Mensch kann begreifen, weil es DAS BEGREIFEN als energetischen Austausch- und Kommunikationsprozess vom universitären Anfang an gibt. Der Mensch ist sogar Bestandteil dieses Austauschprozesses, man muss es nur rein energetisch betrachten. Unsere ganze mittels menschlicher Wahrnehmungsorgane wahrgenommene Umwelt ist physikalisch betrachtet nur eine wuselnde energetische Informationsveranstaltung.

Und genau hier setzt die Apotheose an, bei dem Verständnis, dass ALLES ein energetischer Austausch von Informationen ist. Dieser Prozess ist hochkomplex und wie die Wissenschaften mit ihren engen und weiten Blicken klarmachen, nicht wirklich leicht und einfach zu verstehen, geschweige zu handhaben. Doch der Mensch kann es. Er kann seine Welt auf menschliche Art und Weise erkennen, wahrnehmen, begreifen und er ist mittels seines hochkomplex funktionierenden Gehirns in der Lage, willentlich bewusst auf diese Prozesse in sehr stark veränderndem Maße einzuwirken. Er baute nicht nur Kolonien und Städte, was auch schon Ameisen und sogar Pilze können, er baute Autos und Raketen, Flugzeuge, Computer, Fernseher und Waschmaschinen und Atombomben und elektrische Zahnbürsten. Er erschafft Kathedralen, Gemälde, Sinfonien, Theaterstücke, Romane und viele Kunstwerke mehr. Er kann nicht nur Kriegsmaschinen bauen, er ist in der Lage, Friedensverträge auszuhandeln und zu unterschreiben.

Diese Handlungen sind möglich, weil er – im Gegensatz zu fast jedem Tier – sich und sein eigenes Denken und Fühlen und Handeln begreift. Zumindest beginnt er in der heutigen Zeit, es mehr und mehr bewusster zu begreifen. Er kann sich selbst nicht nur im silberbehauchten Glasspiegel erkennen, das können Affen und Rabenvögel auch. Er kann sich mittels der Auswirkung seiner Handlungen in seiner Umwelt auch als ein ETWAS umweltbewirkendes Wesen erkennen. Der Mensch kann sich in seiner Umwelt spiegeln. Sowohl als Individuum in seiner individuellen Umwelt als auch als Familie, als Kommune, als Volk und im höchsten Menschenkomplex, als Gesamtmenschheit.

Dan Brown lässt in seinem Roman auch eine Wissenschaftlerin zu Wort kommen, die sich mit dem schöpferischen Prozess des Denkens auf der Basis uralter Erkenntnisse und modernster wissenschaftlicher Methoden beschäftigt. Der Leser erfährt nicht sehr viel über ihre Arbeit, leider. Doch das hat seine Gründe. Zwar betreiben viele Länder seit Jahrzehnten diese Forschungen, allerdings unterliegen sie strengster Geheimhaltung. Zum anderen rätseln die Forscher auf diesem Forschungsgebiet an genau denselben Fragen wie letztlich heute noch in jedem Forschungsgebiet. Sie erkennen Details, aber der Gesamtzusammenhang entgeht ihnen, irgendwie scheint der energetische Informationsprozess des Universums, ob menschlich oder natürlich oder kosmisch betrachtet, nicht wirklich ganzheitlich fassbar, begreifbar, messbar. Im Detail ja, im Ganzen nicht.

Viele moderne Menschen lehnen es aber heute im Gegensatz zu den früheren Menschen ab, diesen Gesamtprozess EINEM GOTT zu überantworten. Apotheose bedeutet Vergöttlichung des Menschen. Seit alters her glaubt der Mensch, dass großartige Taten etwas Göttliches oder Naturkräftiges, Übernormal-Menschliches seien. Die christliche Bibel gehört zwar zu den ältesten Überlieferungen menschlicher Glaubens-Geschichte, ebenso wie die indischen Veden, doch der menschliche Zeitgeschmack nahm auf den wörtlichen Inhalt der Überlieferungen wie bei dem Spiel „Stille Post“ Einfluss. Er veränderte nach und nach viel von seinem ursprünglichen Inhalt, je nachdem, wie es den Überlieferern passte.

Ich bin Baum abb67

Abbildung 67: Dieses Bild stellt eine grafische Zusammenfassung bisheriger Erläuterungen dar. Das Alpha und Omega, das Alles und Nichts. Ein differenziert strukturierter Lebens- und Erkenntnis-Baum, der im Bewusstsein-Nichts wurzelt.

 

Dabei ist der Entwicklungsprozess des Glaubens eng an den Entwicklungsprozess des Wissens gebunden. Die allerersten Menschen, die vom Baum geklettert waren und auf zwei Beinen durch die afrikanische Prärie liefen, glaubten zunächst noch alles und begriffen nichts. Das ist sehr absolut gesehen und stimmt deswegen nicht ganz, macht uns aber das Verstehen des Glaubens- und Wissensprozesses deutlicher. Natürlich begreift auch ein Tier seine Umwelt, der hochkomplex begreifende Affe um vieles detaillierter und somit bewusster als eine Maus oder ein Pilz. Doch im Sinne heutigen Wissens und Begreifens war sein Begriffsvermögen winzig klein. Es glich dem unwissenden Galeriebesucher.

Er wusste, was ein Feld und ein Wald und ein Baum ist, aber er kannte die Worte dafür nicht. Er konnte seine Umwelt nicht im Detail differenzieren und in kleinen Begriffen begreifen. Er begriff in großen Begriffseinheiten. Für seine Umwelt hatte er kaum Worte im heutigen Sinne, alles war EIN Bild, ein Symbol, ein Wort, eine Kraft, eine energetische Information.

Mit zunehmender Entwicklung des Menschen teilte dieser seinen Blick in Engblick und Weitblick, er unterteilte seine jeweiligen Erkenntnisse und wählte für jede neue Erkenntnis, die er aus dem Gesamtbild heraus differenzierte, einen eigenen Begriff. So lernte der Mensch begreifen. Differenzierungsschritt für Differenzierungsschritt ordnete er SEINE Welt, seinen Kosmos.

Er glaubte weiterhin an die EINE große Kraft, doch sein Wissen bildete sich mehr und mehr heraus, aus dem einen Ur-Wort differenzierte er schließlich die menschliche Sprache, die heute allein in der deutschen Ausgabe um die 500.000 Begriffe beinhaltet. Der Mensch sammelte im Laufe der Zeit einen riesengroßen Wissensschatz, den er in viele Wissensbereiche, wie Physik, Biologie, Chemie, Wirtschaft, Mathematik, Tanz, Malerei usw. gliederte. Diesen Schatz an Begriffen und Wörtern kann kein einzelner Mensch in seinem Gehirn verwalten, dazu benötigen wir viele Bücher und andere Speichermedien, auch das Internet. Der Durchschnittsmensch kommt in seinem täglichen Sprachgebrauch mit ca. 1.000 Begriffen zurecht, Goethe verwendete ca. 25.000 Wörter und Begriffe in seinen weltberühmten Werken. Diese Zahlen dienen nur zum Vergleich und zum Erkennen, was der Wissenshunger, die Neugier des Menschen, für wortwörtliche Früchte trägt. Zurzeit nimmt das Wort- und Detail-Wissen des Menschen in Riesensprüngen zu, das Begreifen der Ganzheit aber proportional ab.

Die ersten Menschen glaubten an eine allesdurchdringende Urkraft. Doch im Gegensatz zur heutigen modernen Wissenschaft waren die damaligen Menschen noch der Ansicht, TEIL dieser Kraft zu sein, selbst göttlicher Natur. Subjekt und Objekt, Geschöpf und Schöpfer waren ihnen noch als Einheit glaubend völlig klar. Die Sprache als ganzheitlicher energetischer Austauschprozess war ihnen ein heiliger, göttlicher, aber ebenso ein zutiefst menschlicher Prozess.

Das Menschliche war zu vordamaligen Zeiten noch göttlicher Natur. So erklärt sich die Bibelaussage, Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Die schöpferischen Gebilde, die der Mensch selbst erschuf, ob Worte oder Bilder, waren gottgleiche Kunst. Die ersten Wissens- und Könnensgebiete des Menschen waren Künste, gebunden an personifizierte Götterkräfte. Dazu gehörte die Kunst des Ackerbaus genauso wie die Kriegskunst, die Baukunst genauso wie die Kunst des Rechnens und Zeichnens, des Tanzens und Singens. All das war zur Zeit des Matriarchats, das tausende Jahre währte und in dem die Frau das Sagen in allen Bereichen des Zusammenlebens hatte.

Erst mit der Herausbildung des Patriarchats, das ungefähr in die Zeit fiel, als das Wissen des Menschen sprunghafter zunahm, als die Vorratswirtschaft besser organisiert war, als Geld zum Tauschmittel, als die Schriftsprache eingeführt wurde, wurde die Gottgleichheit ALLER Menschen abgeschafft und zu einem Machtmittel in den Händen einer sich herausbildenden männlichen Herrschaftsklasse. Wissen und Glauben erfuhren nun mehr und mehr eine Trennung und jedes Gebiet erhielt eigene Herrschaften. Es bildeten sich Glaubensmächte, die Kirchen und politische Mächte, die Staaten, heraus. Denn jetzt kamen der menschliche, künstliche Reichtum in die Welt und auch eine Zivilisation. Und obwohl jedes Kind heute noch wie zu Urzeiten seine Umwelt zunächst bildhaft rein glaubend erkennt, erst später im Heranwachsen Wissen in Form von differenzierteren Begriffen und Wörtern erlernt, scheint der modernen Wissenschaft die wirkende Kraft des Ur-Wortes völlig absurd.

Bei der Apotheose benutzt der Mensch bestimmte Begriffe, um damit einen bestimmten elektrochemischen Prozess im Körper in Gang zu setzen, der über den Circumpunkt auf seine ihn umgebende Umwelt einwirkt und sie nach seinem Willen verändert. Soweit zur Theorie der Apotheose, praktischer wird es im Praxisbuch.

Die genialen Bild-Brocken

Eigentlich ist schon fast alles untersucht und analysiert, was es im Erleben und in den Erscheinungsbildern der Menschen zu untersuchen geben könnte. Immer, wenn ich auf der Suche war nach einem weiteren Puzzleteilchen, um mein Bild von allem – mein Big Picture – zusammenzufügen, dann fand ich es auch. Irgendein Forscher hatte sich dieses Wissensgebietes angenommen und in gründlicher, immer mühsamer und langwieriger Arbeit zu einem erkennbaren und logisch gefügten begreifbaren Schriftbild-Brocken geformt. An dieser Stelle gilt mein ganz großes Dankeschön den Redakteuren und Autoren der Zeitschrift (inklusive der Spezialausgaben) „Spektrum der Wissenschaft“, die in Heidelberg ansässig ist. Natürlich las ich bei meinen Forschungen auch viel spezielle Fachliteratur. Doch die Artikel in dieser Zeitschrift waren mir eine große Hilfe, denn ihre Beiträge stellen die komplizierte spezifische Materie jedes Fachgebietes einfach und relativ allgemeinverständlich dar.

Wenn man auf der Suche nach dem „Gott“ im Menschen, dessen Kräfte und Schöpfungswirken ist, kommt man um das menschliche Genie nicht herum. In der Geschichte der Menschheit gab es viele Genies, die einen Sprung im Fortschritt der Menschheit bewirkten. Wikipedia und all den dort tätigen Mitarbeitern und Autoren sei Dank, dass heute jeder Mensch weltweit zu jedem Wissensgebiet eine einigermaßen gute Definition bekommt.

Geniei ist danach ein altes Wort und beinhaltet demzufolge mehrere Begrifflichkeiten. Zum einen bedeutet es „Geist“. Es kann auch „erzeugende Kraft“, „werden“, „entstehen“, „persönlicher Schutzgott“, „Anlage“ und „Begabung“ bedeuten. Bei den antiken Völkern galt als Genie ein inneres Wirkungsprinzip, das als geflügelte Gestalt ein sichtbares Erkennungsbild bekam. Das innere Wirkungsprinzip müsste uns nun schon sehr bekannt sein.

Als das Patriarchat, die Herrschaft der Männer, immer mehr das vormalige Matriarchat, Vorherrschaft der Frauen, abgelöst hatte, schrieb die männliche Herrschaftsklasse allein dem Manne ein Genius zu. Dieser stellte sowohl einen persönlichen Schutzgeist des Mannes dar, war aber auch Ausdruck seiner Gesamtpersönlichkeit, seiner Schicksalsbestimmung und – das war und ist wohl das wichtigste für den Mann – insbesondere seiner männlichen Zeugungskraft.

Genies bzw. Geniusse, später im europäischen Raum Engel, im afrikanischen-asiatischen Raum auch Dschinn genannt, gab es in allen menschlichen Kulturen. „Da der Genius als eine Art Wirkungsprinzip aufgefasst wurde, konnten auch andere Kollektive wie Truppenteile und Kollegien, aber auch Orte (Genius loci) wie Provinzen, Städte, Märkte und Theater einen Genius haben. Von da bis zum übergreifenden Genius Roms (Genius urbis Romae bzw. Genius populi Romani) ist nur ein Schritt. Im  Kaiserkult schließlich wurde der Genius Augusti verehrt“, so Wikipedia über das Genie.

Philipp E. Ross, externer Redakteur beim “Scientific American” und Schachspieler, enthüllt anhand von Untersuchungen an Schach-Großmeistern das Geheimnis überragender Fähigkeitenii. Dieses Geheimnis liegt in den „Brocken“ von Wissen, wie er es nennt, die sich Meisterdenker auf einmal merken können. Unter diesen „Brocken-Teilen“ sind beim Schach die Bilder von ganzen Partien oder das Bild einer bestimmten Partie zu verstehen, die im Gehirn abrufbereit gespeichert sind. Dieses sogenannte Brockenwissen gilt für alle Meister ihres Faches.

In meiner allgemeinen Sprache übersetzt heißt das, das Gehirn merkt sich die Umwelt in fraktal-hierarchischer Art und Weise von Oberbegriffen und Unterbegriffen, die auch als Oberbild und Unterbild im Gehirn einen Platz finden. Ein Begriff wird einem Bild zugeordnet, ein Oberbegriff einem Oberbild. Um als Genie zu gelten, muss ein Mensch in der Lage sein, sich durch Übung und Grenzausweitung des Denkens gute Oberbilder zu erschaffen, mit denen er dann scheinbar leicht und spielerisch Aufgaben bewältigt, die ein Anfänger oder nicht genialer Mensch nur mühsam oder gar nicht bewältigen kann. Es ist mit dem Gehirn nicht viel anders als mit dem Aufbau von Körpermuskeln. „Wenn es auf intensive, präzise Überlegungen ankommt, können Großmeister ihre Erfahrungen ausspielen und den sich verzweigenden Baum erlaubter Zugfolgen tiefer absuchen als irgendein Amateur. Analog überblicken erfahrene Physiker zuweilen mehr Möglichkeiten als Physikstudenten“, so Ross und erläutert weiter, dass Genies sich „auf Datenspeicher aus strukturiertem Wissen“ stützen. Der Autor stellt fest, dass eigentlich jeder Mensch die Anlage zu einem Genie habe. Um diese Anlage Wirklichkeit werden zu lassen, müsse der Mensch in seinem Fachgebiet ständig sein Gehirn trainieren und sein Wissen stets erweitern, um sich seinen eigenen Wissensbaum mit vielen fraktal-hierarchischen Bildern zu erschaffen. Der Autor erklärt den inneren Wissensbaum mit einem eigenen Bild, das ich hier gern wiedergebe: „Nehmen wir den Satz: ´Mary had a little Lamb.´ Die Zahl der darin enthaltenen Informationsbrocken hängt davon ab, ob jemand das Gedicht kennt und wie gut er die englische Sprache beherrscht.

geniales Denken abb68

Abbildung 68: Genies denken in großen Bildern, in Komplexen von Begriffen. Die meisten Genies erarbeiten sich diese Wissenskomplexe systematisch über viele Jahre.

 

Für die meisten englischen Muttersprachler gehört  dieser Satz zu einem viel größeren Bündel – dem bekannten Gedicht. Für jemanden, der Englisch spricht, das Gedicht aber nicht kennt, ist er dagegen ein einzelner, in sich geschlossener Informationshappen. Wer die Wörter gelernt hat, aber ihre Bedeutung nicht versteht, hat es mit fünf Brocken zu tun. Und für Personen, die den Satz nur buchstabieren können, sind es 18 Einheiten.“

Der Autor berichtet, dass zum Genie aber nicht nur die Anlage zur geistigen Baumstrukturbildung in einem Fachgebiet gehöre. Wichtig erscheint ihm vor allem die persönliche Motivation, denn das Erschaffen von derartig komplexen Bild-Brocken ist mit einem mindestens 10jährigen intensiven Gehirntraining verbunden, das durchaus viel Zeit und Mühe und oft genug auch Schmerz verursacht. Die gute Nachricht des Autors für alle, die genügend Motivation verspüren, Genialität zu erreichen: „Genies werden gemacht, nicht als solche geboren.“

Das geniale Ich

Jede Einheit, abgetrennt mittels Haut, Hülle, Membran etc., ist ein ICH im Sinne dieser Theorie. Der Mensch kann nicht nur die äußeren „ICHs“ um sich erkennen, er kann auch über Selbst-Erkenntnis in die Tiefe seines Wesens vordringen und seines Selbst bewusst werden und sein.

Über den Wolken auf dem Berg abb69

Abbildung 69: Das Ziel: Weltbeherrschung. Der Weg: Selbstbeherrschung.

Jeder Erkenntnisvorgang ist ein Differenzierungsvorgang. Dieser beginnt immer mit einer Zweiteilung, wie sich aus einem Stamm zunächst zwei große Äste bilden bzw. verzweigen. Beim Vorgang der Selbsterkenntnis teilt der Mensch seine vormalige ungeteilte Individualität in zwei – ein Ich-Teil beobachtet nun innerlich das andere Ich-Teil. Es ist aber dabei keine direkte gleichwertige Gegenüberstellung auf Augenhöhe, sondern eher eine Trennung eines Basis-Ichs in das Überbau-Ich. Das Basis-Ich ist das fundamentale, die Tiefe des Ichs, das Bewusstsein, das ALLES in sich birgt, alles Wissen, alles Da-Sein. Es kann selbst nicht erkannt werden, ist aber der innere Erkenner, auch wenn es um Selbsterkenntnis geht. Auch Selbsterkenntnis beginnt mit der Schaffung von Gegensätzen.

Zugleich aber übernimmt der innere  Erkenner die Kontrolle über die erkannten Gegensätze, er meistert die innere Kraft mehr und mehr. Selbsterkenntnis führt zu Selbstbewusstsein. Der Prozess der bewussten Selbsterkenntnis ist somit ebenso ein vereinheitlichender, entdifferenzierender. Es geht in die Einheit zurück, wie die Religionen der Welt schon immer glauben. Religion bedeutet „zurück zur Einheit“ (re = zurück, legion = Einheit). Der selbstbewusst werdende Weg zur Einheit ist zum einen etwas mühsam, zum anderen erhält derjenige aber immer größere gestalterische Kräfte. Wie bei der Muskelbildung im Fitnesscenter.

Die innere Trennung des fundamentalen Ichs und des Überbau-Ichs ist vom einzelnen Menschen zunächst nur schwach selbst-bewusst wahrnehmbar. Sowohl historisch betrachtet bei den ersten Menschen als auch im Kind.

Doch kennt wohl jeder Mensch dieses Basis-Ich als innere Stimme, als Dialogpartner, als sogenanntes schlechtes Gewissen oder auch als Intuition. Die Altvorderen nannten es Genius.  Bei der Selbsterkenntnis der innerlich wirkenden Kräfte wird mehr und mehr die Kontrolle über das Unbewusstsein übernommen, das sich mehr und mehr in Selbst-Bewusstsein wandelt.

Der selbstbewusste Mensch erkennt und kontrolliert seine inneren Stärken. Die Mythologien und alten Weisheitsbücher sprechen davon, wenn auch in Bildern und Geschichten verbrämt, dass jeder Mensch auf der Suche nach seinem ICH BIN irgendwann zu der Erkenntnis gelangt, dass er in Innen und Außen geteilt ist. Dann ist es zwar ein zunächst mühsamer, doch mehr und mehr erfolgversprechender Weg, die Verantwortung und Kontrolle über beide großen ICH-Teile zu übernehmen.

Damit ist eine innere und äußere bewusste und kontrollierte Verbindung des Ichs geschaffen, eine offen-geschlossene Energie-Schleife. Alles, was sich im Inneren bewegt, wird als Bewegungsimpuls sowohl über die Haut als auch über den Circumpunkt nach außen transportiert. Somit ist das Innen gleichzeitig auch das Außen, polar spannungsvoll gespiegelt.

Die Theorie des Innen-Außen-Ichs zeigt, dass der Mensch letztlich nur das wahrnimmt, was er selbst ist bzw. als Energieimpulse produziert hat. Noch anders gesagt, Wahrnehmung ist der Spannungsprozess zwischen Innen und Außen zum einen über die Haut und zum anderen über den Circumpunkt, wobei die Wahrnehmung fraktal-hierarchisch stattfindet.

Das Innen, nicht nur im Gehirn, IST das Bild der Umwelt. Wahrgenommen wird stets nur EIN Impuls, der im Inneren zu einem neuen Gesamtbild zusammengefügt wird. Durch die Differenzierung der Wahrnehmung in verschiedene Wahrnehmungsorgane hat der Mensch ein differenziertes Bild seiner Umwelt. Gleichzeitig findet durch die innere Impulsgebung im Außen eine neue Formierung des energetischen Gefüges statt. Anders ausgedrückt: Das erlebte Umweltbild verändert sich. So ist zunächst einfach zu erklären, warum das ICH und das DU eine polare Einheit sind. Wenn man diese Theorie erst einmal begriffen hat, mag einem zunächst der Atem stocken über die Kräfte und Möglichkeiten, die sich einem da auftun. Man muss es auch nicht glauben. Man darf hier durchaus zweifeln. Doch dann muss man es erforschen!

Warum aber gibt es so viele Ichs und nicht nur zwei Pole?

Das ist der schon geschilderten Eigenschaft des Bewusstseins zu verdanken, sich zu differenzieren, um ALLES zu werden und zu sein. Je mehr der Ich-Baum sich dabei differenziert, desto mehr ICHs entstehen. Sie alle stammen aus demselben Punkt, dem sogenannten Bewusstsein, dem Fundament. Die erste innere Teilung des Ichs in das beobachtete Teil und das beobachtende ist aber erst der Anfang der Ich-Bewusstwerdung.

Im weiteren Bewusstwerdungsprozess erkennt das beobachtende Ich zunächst mehr und mehr innere Ichs. Es erkennt die bisher so genannten vielfältigen Facetten seines Ichs, seines Charakters, seines Wesens bis hinab in das Nichts des Bewusstseinsfundamentes. Jede dieser Facetten ist ein eigenständiges Ich im ganzen Ich. Ist der Mensch in der Lage, diese Facetten als Teile seines Ichs zu erkennen und zu einem ICH zu bündeln, bleibt er nach außen „normal“.

Krankhafte Erscheinungen sind, wenn diese Teile sich verselbstständigen, dann kommt es zur Schizophrenie, wobei das individuelle Ich keine Verbindung mehr zwischen den Teilen wahrnimmt und auch nicht in der Lage ist, diese zu bündeln und zu kontrollieren. Es gibt Menschen, die sich als multiple Persönlichkeiten betrachten. Es gibt Menschen, die sich für ein historisch existentes Ich halten, zum Beispiel für Jesus oder Goethe. Es gibt Menschen, die mit historisch existenten Ichs Kontakt aufnehmen können über die meist geschlossene innere Pforte zu den vielen Ichs, die da waren und sind. Zumindest berichten sie davon. Hier kann man nur glauben, ob es wahr ist, oder es selbst probieren.

Das geteilte Ich abb70

Abbildung 70: „Ich bin der ich bin“ und „Gott hat viele Namen“ sind altbiblische Ausdrücke für Erkenntnisse der modernen Psychoanalyse. In der Tiefe gibt es nur ein unerkennbares Ich.

 

Ein gesunder Mensch besitzt zumindest die Anlage, sein Ich bewusst in viele Ichs zu spalten und zu verwalten und Kontakt aufzunehmen über den inneren Erkenntnisbaum, der sich seit Anbeginn der Zeit differenzierte. Siegmund Freud war der erste Wissenschaftler, der die Psyche des Menschen analysierte. Analyse ist ein Spaltverfahren, in dem man das zu untersuchende Objekt in einzelne Teile teilt. Freud erkannte eine für alle Menschen gleich gültige Spaltung der Psyche in ein Ich, ein Es und ein Über-Ich. Das Es stellt danach das vollkommen Unbewusste dar, das Über-Ich wird von ihm als eine Art kollektives Grundgerüst beschrieben, in dem Erfahrungen und Erkenntnisse vorangegangener Generationen im individuellen Ich verankert sein sollen. Ich tippe, er meinte den Genius. 

Die Analyse und Aufspaltung des Ichs durch den Ich-Inhaber selbst ist ähnlich wie die Psychoanalyse durch den Therapeuten eine sehr mühsame und langwierige Arbeit. Wer sich selbst therapiert auf diese Weise, kann auch Gefahr laufen, seine Individualität vollkommen zu verlieren in Form von Verrücktheit und umfassender individueller Veränderung des gesamten Wesens inklusiver seiner Erscheinung in der Außenwelt. Es kann auch sein, dass sich das mühsam geöffnete Tor zu den vielen Ichs und zum Basis-Ich hinter einem schließt. Dann ist man vollständig verrückt oder wird von der Umwelt als verrückt angesehen. Diese Menschen sind nicht mehr normal im Sinne dessen, was allgemein als normal akzeptiert wird. Oft sind diese Grenzen fließend. Bei manchen Menschen besteht von der Anlage her eine Öffnung zur Tiefe des Alles-Seins. Diese besitzen von Geburt an eine sogenannte geniale Fähigkeit, die ebenfalls als nicht „normal“ eingestuft wird. 

Ist der Mensch jedoch in der Lage, die Hürde des inneren Tors zu meistern, stehen ihm spannende und völlig neue Möglichkeiten offen, sein Selbstbild und seine Umwelt nach eigenem Willen und Belieben zu beeinflussen und zu verändern. Dieses Tor steht jedem Menschen offen, der gesund ist und das will. Dieses Tor öffnet eine neue Wissenschaftswelt.

Was die Physik im Außen als plötzlich aus dem Nichts auftauchende Energie-Teilchen erkannt hat, (im schon erwähnten Buch von Lawrence M. Kraus sehr anschaulich und ziemlich verständlich beschrieben) sind diese energetischen Impulse des inneren Ichs, die durch den Circumpunkt nach außen dringen und das erkennbare Außen bilden. 

Das Universum ist und bleibt somit eine rhythmisch pulsierende Einheit. Es ist kein anderes Universum als was die Physik beschreibt in ihrer Nur-Außen-Außensicht. Es ist jedoch eine geschlossene Einheit von Innen und Außen, in der der Mensch die Möglichkeit hat, bewusst willentlichen Einfluss auf die Gestaltung seiner Umwelt zu nehmen. Nicht nur über die Gestaltung derselben über die Haut, über das Handeln, sondern auch über den inneren Circumpunkt, über das Denken und Fühlen. Ist der Mensch bisher schon ein fast gottgleicher Schöpfer seiner Umwelt, so kann er es nun bewusst und erkennend vollständig sein. Mit allen verantwortlichen Konsequenzen seines Denkens und Handelns und Seins. Jeder Mensch in seiner ganz individuellen Möglichkeit, die allumfassend ist für seine individuell erkennbare Welt.

Wie beschrieben, nimmt die Ur-Kraft von seinem Fundament ausgehend mit jedem Differenzierungsschritt ab. Hier erkennen wir auch die Ursache für die Verringerung der Anziehungskraft in der physikalischen Messung, je weiter man vom Objekt entfernt ist. Der seines Selbst relativ unbewusste heutige Mensch lebt fast nur an seiner Hautoberfläche im Kontakt zur Umwelt und fühlt sich dementsprechend fast ohnmächtig gegenüber den ihm entgegenwirkenden Kräften seiner Umwelt, Naturgewalten, politischen Gewalten, wirtschaftlichen Gewalten etc.

Ein Mensch, der den inneren Kraft-Weg antritt, lernt auch hier zunächst mächtige Gewalten kennen, wie Hunger, Sex, Neugier, Triebe und Süchte allgemein, die er zunächst beherrschen lernen muss. Der innere Weg ist der Weg der Beherrschung dieser Triebe und Kräfte, was genauso funktioniert wie Muskelaufbau im Fitnesscenter. Trainieren, trainieren, trainieren. Und dann beständig dabei bleiben. So, wie ein muskeltrainierter Mensch in seiner Umwelt mehr Körperkraft hat, die Dinge zu bewegen, so, wie ein gehirntrainierter Mensch mehr Gehirnleistung vollbringen kann, so kann ein Mensch, der seine inneren Triebkräfte beherrscht und das Wissen des Circumpunktes hat und nutzt, „wahre Wunder“ in seiner ihn umgebenden Umwelt vollbringen.

Allerdings sind das keine Wunder mehr, wenn man weiß, wie es funktioniert. So, wie es kein Wunder ist, eine Doktorarbeit über theoretische Physik zu schreiben, und es kein Wunder ist, die Tour de France zu gewinnen, und kein Wunder ist, die Pyramiden zu bauen oder die „Mona Lisa“ zu malen.

i Wikipeda: Genie, Version 7.9.2013, 17.10 Uhr

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Genie&oldid=121679761

 

ii Ross, Philipp E.: “Wie Genies denken”, Spektrum der Wissenschaften „Wie Genies denken“, 01/07, S. 36-42

 

 

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Fotos Nora Peisger